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    Nichts als Gesang

    München (dapd). Man kennt diese Geschichte: Ein paar Jungs machen Musik, jahrelang. Dann bringt einer seine Freundin ins Spiel, und schon gerät die Männer-Harmonie mächtig ins Wanken. Eine Frau kann aber auch die Rettung sein. Im Fall von Singer Pur kam zu fünf gut aufeinander eingestimmten Sängern eine Sopranistin - und damit der Erfolg. Die ungewöhnliche Konstellation hat sich auf lange Sicht bewährt, in diesem Sommer feiert das vielseitige Vokalensemble sein 20-jähriges Bestehen.

    "Natürlich gibt's auch mal Spannungen", sagt Markus Zapp, einer von drei Tenören, im dapd-Gespräch. "Singen geht tief an die Emotionen, und wir alle sind ausgesprochene Individualisten." Aber Reibungen bringen ein Team weiter, man müsse nur irgendwann zum Punkt kommen, meint Claudia Reinhard, die 2003 die eingangs erwähnte Dame der Erlösung ersetzt hat. Bevor Diskussionen ausufern, werde eben abgestimmt. Da funktioniert Singer Pur im besten Sinne demokratisch, der Kurs muss dann allerdings klar sein.

    Dass das nicht nur schöne Worte sind, hört man im Konzert. Die Präzision ist umwerfend, und wie die Tenöre, Bariton, Bass und die Sopranistin gleich mit dem ersten Ton zu einem ganz eigenen, unverwechselbaren Klang finden, hat etwas Magisches. Egal, ob sie nun Renaissance-Madrigale, Volkslieder oder Pop-Arrangements singen. Da ist dieses grundsätzliche Einverständnis, wie in einer langjährigen Partnerschaft, aber auch das gemeinsame Atmen, das den Rhythmus bestimmt, das Tempo steuert. Nur so entsteht exquisiter A-Cappella-Gesang.

    Zumindest die Männer hatten das von klein auf geübt, die Wurzeln liegen bei den Regensburger Domspatzen. Dass neben all den Motetten, Messen und Passionen gerade das Profane und erst recht Moderneres von Reiz waren, versteht sich von selbst. "Wir wollten nach der Schule ganz bewusst etwas anderes machen", betont Gründungsmitglied Zapp, "und das war bei uns der Jazz." Gleich die ersten Versuche nahmen Form an, Bandleader-Legende Peter Herbolzheimer engagierte die Urformation von Singer Pur für sein Bundesjungendjazzorchester. Die Fünf kamen weit herum, aber davon konnte keiner leben. Und ganz nebenbei waren die verrauchten Clubs, das Rumschreien in hohen Lagen, wie Zapp es nennt, Gift für feine Stimmen.

    Auf Dauer schien dieses Künstlerleben keine Option. Eher zufällig hatte Tenor Christian Wegmann irgendwann seine Sänger-Freundin dabei, "und gleich lief alles viel besser", schildert Zapp das Aha-Erlebnis. Kurze Zeit später hagelte es schon die ersten Preise. Etwa 1994 beim Deutschen Musikwettbewerb in Bonn. Mehr und mehr fanden die Sechs zu ihrer ganz eigenen Mischung aus Alter Musik - das ist in gewisser Weise die Basis -, zeitgenössischem Repertoire, Liedern der deutschen Romantik, an Themen aufgehängten Reisen quer durch die Jahrhunderte - und ganz aktuell Sting.

    Die CD mit anspruchsvoll arrangierten Songs des britischen Popstars und Ex-Police-Frontmannes kam erst kürzlich auf den Markt, aber die Veranstalter reißen sich längst um das Programm. "Da musste übrigens nicht abgestimmt werden", sagt Claudia Reinhard, "den verehren wir alle!" Dieser intensive Ausflug in den Pop ist eine Ausnahme und aufwendig dazu, denn die Songs mussten speziell auf das Ensemble abgestimmt werden.

    Doch es ist eben auch die niveauvolle Offenheit, die Singer Pur auszeichnet. Seit ein paar Jahren macht das Sextett mit deutschen Volksliedern gute Erfahrungen. "Wunderbare Musik", schwärmt Zapp, "das hat bei uns aber auch nichts Verstaubtes oder Männerchorsüffiges". Singer Pur gehörten zu den ersten E-Musikern, die sich an die lange geschmähten Lieder gemacht haben, vor allem singen sie dieses Repertoire mit dem gleichen Engagement wie ein Werk von Monteverdi, Brahms oder Wolfgang Rihm - und er ist nicht der einzige, der eigens für sie komponiert hat.

    Wahrscheinlich sind es ja weniger die Stücke oder bestimmte Komponisten, die bei den Fans so gut ankommen, als vielmehr die Einstellung, Musik zu ihrem Recht kommen zu lassen - pur und ohne Schnickschnack. Deshalb genügt das Pling einer kleinen Stimmgabel, um sich zu justieren. Ein Klavier wäre schon zu viel. Singer Pur treffen damit direkt in die Magengrube, wie es ein älteres Ehepaar nach dem Konzert in Bayreuth so schön auf den Punkt gebracht hat.

    (Tourdaten: 30.6. Ulrichshusen - Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, 3.7. Memmingen, 4.7. Baunatal-Großenritte - Kultursommer Nordhessen, 12.7. Fribourg (CH), 14.7. Maulbronn, 20.7. Bamberg, 28.7. Aschau - Festivo Aschau, 1.8. Oberstdorf - Oberstdorfer Musiksommer, 6.9. Straubing - Kulturwald, 7.9. Regensburg, 21.9. Trier, 4.11. Wiesbaden, 12.11. Recklinghausen - Ruhrfestspiele.)

    www.singerpur.de, CDs bei OehmsClassics.

    dapd

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