Hamburg (dapd). Für die Regisseurin Franziska Stünkel steht die Authentizität der Protagonisten bei ihrer 18-stündigen Mammut-Dokumentation "Der Tag der Norddeutschen" im Vordergrund. Die Handlung sei nicht redaktionell vorgeschrieben, es werde nicht ins Geschehen eingegriffen, sagte die 38-Jährige, die durch den Kinostreifen "Vineta" bekannt wurde, im Gespräch mit der dapd. "Es soll ein lebensechter Film sein, der einen Tag von über 100 Norddeutschen zeigt. Wir wollen keinen neugierigen, distanzlosen Blick durchs Schlüsselloch", sagte Stünkel weiter. "Niemand wird vorgeführt."
Am Freitag (11. Mai) begleiten mehr als 100 Kamerateams die von NDR-Hörern, -Zuschauern und Internetnutzern ausgewählten Protagonisten durch ihren Alltag. Die Dokumentation "Der Tag der Norddeutschen" soll am 10. November von sechs bis 24 Uhr im NDR-Fernsehen ausgestrahlt werden.
Am meisten sei sie von der Vielfalt und Gleichzeitigkeit des Projekts fasziniert, sagte Stünkel. "Wir bilden das Leben von mehr als 100 Menschen in Norddeutschland ab, und das sind ganz unterschiedliche Lebensformen." Eine Mutter mit neun Kindern sei dabei, Verheiratete, Singles, Gesunde, Kranke, ein Millionär, eine Verkäuferin eines Straßenmagazins und ein Unterwasserforscher. "Es soll aber auch das Leben in seinem Kreislauf gezeigt werden", plant die Regisseurin. So werden am Drehtag auch eine Hebamme sowie eine Seebestatterin an der Ostsee begleitet.
1.000 Stunden Film müssen gesichtet werden
Nach und nach würden die Protagonisten in der Dokumentation eingeführt - in Echtzeit. Während der Bauer um sechs die Kühe melke, stehe der Bäcker schon längst in der Backstube, andere lägen noch im Bett. "Diese Szenen sollen dann am 10. November auch genau um diese Uhrzeit laufen", sagte Stünkel.
Logistisch und auch technisch sei das Projekt eine große Herausforderung. "Wir mussten über 300 Drehgenehmigungen einholen, Reisewege für 300 Teammitglieder quer durch den Norden organisieren und ein System einrichten, das Recherchedaten und Filmmaterial beherbergt", sagte die Regisseurin. Rund 1.000 Stunden Film kämen zusammen, eine alleinige Sichtung - völlig ausgeschlossen. "Die Autoren, die bei den Drehs dabei sind, geben anschließend natürlich ihre Einschätzung ab und berichten von den ihrer Meinung nach stärksten Momenten", sagte Stünkel.
Dass die 18-stündige Doku über den Alltag von mehr als 100 Norddeutschen stellenweise langweilig wird, glaubt sie nicht. "Es gibt keine langweiligen Tage. Jeder Mensch ist einzigartig." Dennoch werde die Sendung so angelegt, dass beides möglich sei: 18 Stunden am Stück durchgucken oder immer mal wieder reinschalten.
dapd


