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    Obama kritisiert Romneys Wähler-Schelte

    US-Präsident: Staatschef muss "ganzes Land" vertreten

    US-Präsident Barack Obama hat die durch einen Medienbericht bekannt gewordene Wähler-Schelte seines Herausforderers Mitt Romney scharf kritisiert. "Wenn man Präsident sein will, muss man für alle arbeiten", sagte Obama am Dienstagabend im US-Fernsehsender CBS. Neuen Umfragen zufolge lag der Demokrat in den wichtigen Bundesstaaten Virginia, Wisconsin und Colorado teils deutlich vor seinem republikanischen Rivalen.

    Ein Staatschef müsse "das Land als Ganzes" vertreten, sagte Obama in der "Late Show" von CBS-Moderator David Letterman. "Als ich 2008 gewann, wählten 47 Prozent des amerikanischen Volkes John McCain", erinnerte Obama an seinen damaligen republikanischen Gegner. "Sie stimmten nicht für mich und am Wahlabend sagte ich: 'Auch wenn Ihr nicht für mich gewählt habt, höre ich Eure Stimmen und ich werde so hart arbeiten wie ich kann, um Euer Präsident zu sein'", sagte Obama.

    Das US-Magazin "Mother Jones" hatte am Montag auf seiner Internetseite ein Video veröffentlicht, das eine Rede Romneys vor reichen Spendern zeigte. Darin sprach er über jene "47 Prozent der Menschen", die im November ohnehin für Obama stimmen würden, weil sie von staatlichen Leistungen abhingen und sich selbst als "Opfer" betrachteten. Sie würden keine Einkommenssteuer zahlen, weshalb seine Pläne zur Steuersenkung bei ihnen nicht wirkten, sagte Romney.

    "Mein Job ist nicht, mich um diese Leute zu kümmern", sagte Romney bei der Veranstaltung in Florida im Mai. "Ich werde sie niemals überzeugen, persönlich Verantwortung zu übernehmen und für ihre Leben zu sorgen." Sieben Wochen vor der Wahl am 6. November verstärkten die Äußerungen den Eindruck, dass Romney, der als Finanzinvestor zu einem Millionenvermögen gelangte, die Sorgen und Nöte der Mehrheit der US-Bürger nicht versteht.

    "Wir machen alle Fehler", sagte Obama dazu bei Letterman. "Aber worüber die Menschen Klarheit haben wollen, ist, dass man nicht einen Großteil von ihnen nach Verlusten und Gewinnen ablegt", fügte er hinzu. Romney hatte zuvor trotz des verheerenden Eindrucks, den seine Äußerungen in dem Video hinterließen, eine Entschuldigung abgelehnt. Romney sagte lediglich, seine Äußerungen seien "nicht elegant" gewesen.

    Für Kritik sorgte auch eine Äußerung Romneys aus dem Video zum Nahost-Konflikt. Romney hatte gesagt, es gebe keinen Weg zum Frieden, da die Palästinenser "ohnehin kein Interesse" daran hätten und weiter auf die "Zerstörung und Beseitigung Israels" sinnen würden. Die Palästinenser wiesen die Äußerungen als "vollkommen inakzeptabel" zurück, während Obamas Sprecher sie als Beweis von Romneys mangelnder Führungsstärke wertete.

    Im Duell zwischen Obama und Romney hatte es lange Zeit nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgesehen. Eine ganze Reihe von Pannen in Romneys Wahlkampf warf diesen jedoch zurück. Sieben Wochen vor dem Urnengang lag der Präsident in einer landesweiten Umfrage fünf Prozentpunkte vorn. Gemäß einer gemeinsamen Umfrage der Quinnipiac Universität, der "New York Times" und von CBS News konnte Obama auch in drei strategisch wichtigen Bundesstaaten punkten.

    So lag das Verhältnis von Demokrat zu Republikaner in Wisconsin bei 51 zu 45 Prozent, in Virginia bei 50 zu 46 und in Colorado immerhin noch bei 48 zu 47. Die drei Staaten gelten wegen der hohen Zahl an Wechselwählern als wichtig. 2008 gewann Obama in allen drei Staaten. Obama bekam vor allem gute Noten, was sein internationales Krisenmanagement und die Terrorbekämpfung betraf.

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