Darmstadt (dapd). Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck macht ernst mit seinem Sparprogramm, lässt die Mitarbeiter aber über das Ausmaß der Stellenstreichungen im Unklaren. Bis 2014 soll allein die Pharmasparte Serono die Kosten um 300 Millionen Euro senken. Neue Details zum Stellenabbau, etwa in Darmstadt, nannte Vorstandschef Karl-Ludwig Kley am Dienstag nicht. Für Abfindungen, Standortverlagerungen und andere Umstrukturierungskosten sind demnach in den kommenden drei Jahren 600 Millionen Euro eingeplant. Merck kämpfte zuletzt mit einem sinkenden Ertrag und meldete einen Gewinneinbruch im ersten Quartal.
Im April hatte Merck bereits die Schließung des Serano-Hauptquartiers in Genf bekanntgegeben. 500 der 1.250 Stellen fallen dort weg, die übrigen werden zu anderen Standorten verlagert, etwa nach Darmstadt, Boston oder Peking. Das Schweizer Recht gibt vor, dass ein Stellenabbau vorab veröffentlicht werden muss.
Bevor die übrigen Stellenstreichungen genannt würden, wolle sich das Unternehmen erst mit den Sozialpartnern abstimmen, sagte Kley. "Wir werden erst Zahlen nennen, wenn wir rechtlich dazu gezwungen werden." Merck beschäftigt weltweit gut 40.000 Mitarbeiter, davon mehr als 9.000 am Hauptsitz in Darmstadt.
Unzufrieden mit der Informationspolitik des Konzerns zeigte sich der Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie in Darmstadt, Jürgen Glaser. "Damit können wir eigentlich gar nichts anfangen", sagte er. "Die Verunsicherung ist riesengroß." Der Betriebsrat in Darmstadt befinde sich derzeit noch in der Informationsphase über die geplanten Einsparungen und dürfe damit nicht an die Öffentlichkeit gehen.
Personalabbau, Gehaltskürzungen, Flexibilisierung
Die Einsparungen seien nötig, weil der Wettbewerb härter werde und der Konzern nach 2014 "deutlich stärkeren Gegenwind" erwarte, sagte Finanzvorstand Matthias Zachert. Die Ausgaben der Pharmasparte für Marketing, Vertrieb und Verwaltung sollten dauerhaft um 180 Millionen Euro sinken, die Forschungskosten um 120 Millionen Euro. "Wir sprechen sehr bewusst von Kostenabbau, nicht von Personalabbau", sagte Zachert. Deshalb werde auch darüber verhandelt, ob die Mitarbeiter zu Gehaltskürzungen oder flexibleren Arbeitszeiten bereit seien.
In den Industriestaaten sei wegen der Haushaltskürzungen mit schwachem Wachstum zu rechnen, erklärte Zachert. Zulegen würde das Unternehmen aber in den Schwellenländern.
2014 rechnet der Konzern mit Umsatzerlösen von 10,4 bis 10,7 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen werde auf 3 bis 3,2 Milliarden Euro steigen.
Gewinneinbruch zu Jahresauftakt
Zuvor hatte Merck bereits einen Gewinneinbruch im ersten Quartal dieses Jahres bekanntgegeben. Die Umsatzerlöse stiegen konzernweit zwar um 3,5 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum halbierte sich aber das Ergebnis unter dem Strich auf 176,6 Millionen Euro. Der größte Teil des Rückgangs geht darauf zurück, dass Merck im Auftaktquartal des Vorjahres aus dem Verkauf eines Unternehmensteils einmalig 157 Millionen Euro hatte verbuchen können.
Aber auch ohne den Sondereffekt fiel der Gewinn noch leicht. Im Gesamtjahr rechnet Merck nach eigenen Angaben mit Gesamterlösen von rund 10,5 Milliarden Euro und einem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) vor Sondereinflüssen von 2,8 bis 2,9 Milliarden Euro.
Im DAX verlor die Merck-Aktie bis zum Nachmittag fast drei Prozent.
dapd


