Nach massiver Kritik an seinem Verbalangriff auf den Parteikollegen Wolfgang Bosbach hat sich Kanzleramtschef Ronald Pofalla (beide CDU) öffentlich entschuldigt. "Ich ärgere mich selbst sehr über das, was vorgefallen ist, und es tut mir außerordentlich leid", sagte Pofalla der "Bild"-Zeitung. Indessen bezweifelten andere Politiker weiterhin Pofallas Eignung für das Amt des Kanzleramtschefs.
Bosbach und er hätten sich einen Tag nach dem Vorfall am Montagabend der vergangenen Woche ausgesprochen, sagte Pofalla der "Bild". Medienberichten zufolge hatte er Bosbach vor anderen Parlamentariern wegen dessen Nein zum Euro-Rettungsschirm EFSF beschimpft. Den Berichten zufolge sagte er unter anderem: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen." Der Vorfall ereignete sich vor der entscheidenden EFSF-Abstimmung im Bundestag.
Bosbach sagte dem Kölner "Express" vom Montag, nach einer Entschuldigung Pofallas sei die Sache für ihn erledigt. Gleichwohl stelle sich für ihn nun die Frage, "wie gehen wir in den nächsten Monaten miteinander um". Er müsse zudem für sich entscheiden, ob er 2013 erneut für den Bundestag kandidieren wolle. "Ich will ja auch nicht immer wieder in die Situation 'Einer gegen alle' geraten", sagte er dem Blatt.
Gegenüber der Illustrieren "Bunte" verteidigte er seine ablehnende Haltung beim EFSF-Krisenfonds. "Meine Meinung ist nicht exotisch, sondern volksnah", sagte Bosbach. Zwar garantiere die Gewissensfreiheit den Abgeordneten Unabhängigkeit, doch "wenn man sich darauf beruft, kann es ungemütlich werden."
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf Pofalla vor, seinem Amt nicht gewachsen zu sein. Pofalla sei "offenbar nicht in der Lage, seinen Job angemessen auszuüben", sagte Nahles der "Welt".
Der frühere Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Werner Marnette (CDU), warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, mitschuld an Pofallas Äußerungen zu sein. Sie habe die Abgeordneten einem hohen politischen Druck ausgesetzt. "Auch Kettenhunde, ausgestattet mit der Macht eines Regierungsamtes, wurden losgelassen", sagte er mit Blick auf den Kanzleramtschef.
Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) verteidigte Pofallas Verhalten: "Mir ist ein deftiges Wort des Zorns immer lieber als eine scheinbar freundlich vorgetragene süßsaure Hinterhältigkeit", sagte er der "Leipziger Volkszeitung".


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