Essen (dapd). Wegen angeblicher Verbindungen zu den radikalislamischen Salafisten hat die Essener Polizei einen Kommissar aus den eigenen Reihen vorläufig vom Dienst suspendiert. Der 31-Jährige habe inzwischen selbst bestätigt, dass er den radikalen Islamisten "zugetan sein", sagte ein Polizeisprecher am Dienstag und bestätigte einen Bericht der WAZ-Mediengruppe.
Gegen den Mann würden Vorermittlungen geführt. Wenn sich die Vorwürfe bestätigten, werde ein Verfahren "mit dem Ziel der Entlassung aus dem Beamtenverhältnis" eingeleitet.
Der 31-jährige Kommissar soll unter anderem privat Infostände angemeldet haben, an denen islamistisches Material verbreitet wurde. Zudem soll er Kontakt zu Hasspredigern wie dem Konvertiten Pierre Vogel gehabt haben. Die Essener Polizeipräsidentin Stephania Fischer-Weinsziehr zitiert der Bericht mit den Worten, der 31-Jährige führe sich auf wie ein potenzieller Schläfer: vordergründig verfassungstreu, innerlich zum Kampf bereit gegen das System.
Laut Polizei war der Mann deshalb Ende April vom Dienst suspendiert worden. Es müsse sichergestellt sein, dass ein Polizist verfassungstreu sei, betonte der Sprecher. Sollte sich herausstellen, dass der Kommissar tatsächlich den Salafisten angehöre oder nahestehe und für einen Gottesstaat statt für eine Demokratie eintrete, müsse er aus dem Beamtenverhältnis entlassen werden. Laut WAZ würde dies dem ersten Berufsverbot für einen Salafisten bundesweit entsprechen.
NRW-Innenminister Ralf Jäger will gegen Extremisten bei der Polizei hart vorgehen. Für sie gebe es in Nordrhein-Westfalen keinen Platz, sagte der SPD-Politiker. "Die Beamten leisten einen Eid auf unsere Verfassung. Sie müssen für das Grundgesetz eintreten." Die laufenden Ermittlungen würden zeigen, ob der Polizeibeamte für die Verfassung einstehe.
Der Kommissar war zuletzt in Essen als Streifenpolizist eingesetzt, wie der Polizeisprecher bestätigte. Laut WAZ soll er aber mehrfach versucht haben, bei Eliteeinheiten wie dem SEK unterzukommen.
In den vergangenen Wochen waren die Salafisten in Nordrhein-Westfalen immer wieder in den Blick der Öffentlichkeit geraten. In zahlreichen Fußgängerzonen verteilten Anhänger der Gruppierung kostenlos Korane. In Solingen bewarfen mutmaßliche Mitglieder der radikal-islamistischen Gruppierung am 1. Mai Polizisten mit Steinen und schlugen mit Fahnenstangen zu.
Am Wochenende kam es in Bonn zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Salafisten. Gegen einen 25-Jährigen erging Haftbefehl wegen Mordversuchs, weil er zwei Polizisten mit einem Messer schwer verletzt haben soll.
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