Um die Reitkarriere ihrer Töchter zu fördern, erfand ihre Mutter eine ungeheuerliche Lüge: Eines der beiden Mädchen habe Leukämie, so die Behauptung der Britin. Daraufhin konnte sich die damalige Polizistin Sonderurlaub nehmen und andere Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Doch statt ihr angeblich krankes Kind zu pflegen, begleitete sie ihre zwei kerngesunden Töchter regelmäßig auf Reitturniere. Erst nach zwei Jahren flog ihr Doppelleben auf, die Britin stand nun vor Gericht.
Die Kollegen von Rachel Hewitt waren voller Mitleid, als die Polizistin ihnen vor mehr als zwei Jahren von der angeblichen Krankheit ihrer älteren Tochter erzählte. Die 15-jährige Natasha leide an Leukämie, sagte sie. Ihr Kind müsse sich deshalb einer Chemotherapie und einer Operation unterziehen, um den Tumor entfernen zu lassen. Behandelt werde sie auf der Intensivstation. Die Mutter aus South Elmsall im britischen West Yorkshire sagte darüber hinaus, dass sie um das Leben ihrer todkranken Tochter fürchte, berichtet die britische Tageszeitung „Daily Mail“.
Um der 39-Jährigen das vermeintlich schwere Schicksal etwas erträglicher zu machen, bekam sie Sonderurlaub, Schichten wurden zu ihren Gunsten getauscht und die Kollegen sammelten umgerechnet knapp 200 Euro für einen DVD-Player und Gutscheine für die „kranke“ Natasha. Hewitts Arbeitsgeber überprüfte die Geschichte der Mutter nicht und verlangte auch keine ärztlichen Bescheinigungen. Wer hätte auch ahnen können, dass die Polizistin eine eiskalte Lüge aufgetischt hatte?
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In Wahrheit nämlich erfreute sich ihr Spross bester Gesundheit. Das Mädchen war sogar so gesund, dass sie mit ihrer jüngeren Schwester immer wieder an Reitturnieren teilnahm, zu denen ihre Mutter die Kinder dank des Sonderurlaubs und anderer Vergünstigungen regelmäßig begleiten konnte. Die Familie ist in England unter Springreitern bekannt, so die „Daily Mail“, Tochter Jessica machte im vergangenen Jahr sogar beim Wettbewerb „Horse of the Year Show“ mit.
Um die Karriere ihrer Töchter zu fördern, erfand Hewitt ab September 2009 eine Lüge nach der anderen. Zunächst habe sie behauptet, ihre Tochter sei an der Schweinegrippe erkrankt, erklärte Staatsanwalt Simon Batiste laut „Daily Mail“ während des Prozesses gegen Hewitt. Stattdessen nahm sie aber an einem fünftägigen Reitturnier teil. Später dann habe Hewitt ihrem Arbeitgeber erzählt, dass das Kind vom Pferd gefallen sei und sich am Rücken verletzt habe. Bei Untersuchungen sei ein Knoten gefunden worden. Daraufhin erfand sie die Lüge um die angebliche Krebskrankheit ihrer Tochter.
Monatelang habe sich Hewitt aufgrund von „Depressionen“ freigenommen, so Batiste. Umgerechnet seien ihr in dieser Zeit knapp 20.000 Euro seitens ihres Arbeitgebers, der örtlichen Polizei, gezahlt worden. Im Januar 2010 startete die Polizistin wieder mit ihrem Dienst, bekam aber kürzere Schichten und musste freitags und an Wochenenden nicht arbeiten. Vier Monate später erklärte Hewitt, ihre Tochter sei mit einer Lungenentzündung eingeliefert worden. Wieder eine Lüge, damit sie ihr Kind auf ein Turnier begleiten konnte. In einer E-Mail schmückte die abgebrühte Mutter ihre Storys gar detailliert aus: „Es besteht das Risiko, dass der Krebs sich in Natashas Bauch ausgebreitet hat“, und fügte hinzu, dass die Chemotherapie ihr wohl nur „Zeit gibt“, also das tödliche Ende der Krankheit lediglich aufschöbe.
Richter Simon Jack zeigte sich über die Unverfrorenheit der Angeklagten fassungslos: Hewitts Verhalten habe „das Vertrauen der Polizisten zueinander untergraben“, genauso wie „das Vertrauen“, das die Öffentlichkeit in die Polizei habe. Dass sie ihre Kinder ohne mit der Wimper zu zucken benutzt hätte, um ihr Lügengebäude zu errichten, hielt er für unglaublich: „Die Lügen, die sie erzählt haben, waren so aufwühlend – ein Kind, das Krebs hat –, dass niemand daran zweifelte. Deshalb konnten Sie auch so lange damit davonkommen.“
Wie die Wahrheit letzten Endes im Oktober 2011 ans Licht kam, darüber erfuhr die Öffentlichkeit nichts. Nach Informationen von „Sky News“ wurde die 39-Jährige zu Hause verhaftet und kam vor Gericht. Am Montag fiel das Urteil. Da sie das Vertrauen ihrer Kollegen und Arbeitgeber missbraucht habe und damit umgerechnet etwa 20.000 Euro an Sonderzahlungen erschleichen konnte, wurde sie zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt.
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