Nürnberg (dapd). Der deutsche Arbeitsmarkt ist trotz Rezessionsängsten in Hochform: Erstmals seit 20 Jahren waren im September weniger als 2,8 Millionen Menschen ohne Job. Mit der Herbstbelebung sank die Zahl der Arbeitslosen auf 2,796 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte.
Im Vergleich zum Vormonat lag der Rückgang bei 149.000 Menschen, im Vergleich zum Vorjahr ging die Arbeitslosenzahl um 231.000 zurück. Die Arbeitslosenquote verringerte sich im September um 0,4 Punkte auf 6,6 Prozent. In Westdeutschland liegt sie jetzt bei 5,7 Prozent, in Ostdeutschland bei 10,4 Prozent.
BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte, trotz der internationalen Finanzrisiken und ungeachtet der Turbulenzen an den Aktienmärkten habe sich der Arbeitsmarkt weiter verbessert und seine gute Entwicklung fortgesetzt. Die Finanzmarktkrise sei noch nicht am Arbeitsmarkt angekommen. Die BA halte daher an ihrer Prognose fest, wonach im Gesamtjahr durchschnittlich 2,9 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet sein werden.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen warnte angesichts der positiven Entwicklung vor zu viel Optimismus. "Der gute deutsche Arbeitsmarkt ist kein Selbstläufer, der sich auf Dauer abkoppeln kann von der Weltkonjunktur", sagte die CDU-Politikerin. Deutschland müsse die Finanzrisiken ernst nehmen und weiter die aktuell hohe Arbeitskräftenachfrage entschlossen nutzen. Es gelte, die Arbeitsvermittlung noch effizienter zu nutzen und vermehrt in die Weiterbildung benachteiligter Jugendlicher zu investieren.
Die Beschäftigung wurde Weise zufolge flächendeckend und quer durch alle Branchen aufgebaut. Von den Neuzugängen traten 365.000 eine Vollzeit- und 305.000 eine Teilzeitstelle an. Die Arbeitsplätze entstanden in erster Linie im verarbeitenden Gewerbe, den wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, der Zeitarbeit und im Handel.
Erfreulich entwickelte sich die Zahl der Hartz-IV-Empfänger insgesamt: Sie sank laut BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt erstmals unter zwei Millionen: Mit 1,994 Millionen waren im September 84.000 weniger erfasst als vor einem Jahr. Wer dringend Fachkräfte suche, sei inzwischen auch bereit, Arbeitslose einzustellen, die für ihn früher nicht infrage gekommen wären, wie Ältere, erklärte Alt.
Die Zahl der offenen Stellen bezifferte die BA für September auf etwa eine Million. Davon waren bei der Behörde 501.000 gemeldet und damit 104.000 mehr als vor einem Jahr.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verwies auf den zunehmenden Fachkräftemangel: Es brauche eine Doppelstrategie, um den Bedarf zu sichern. "Wir müssen das heimische Potenzial besser ausschöpfen und gleichzeitig die gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften erleichtern", sagte Hundt.
dapd


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