Nach Grünen-Chef Cem Özdemir hat ein weiteres Kuratoriumsmitglied aus Protest gegen die Verleihung des Quadriga-Preises an den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin sein Amt in dem Gremium niedergelegt. Der Heidelberger Historiker Edgar Wolfrum kündigte in der "Rhein-Neckar-Zeitung" seinen Rücktritt aus dem Preiskuratorium an. Die Entscheidungsfindung sei "skandalös" gewesen, begründete Wolfrum seine Entscheidung. Sie hätte im Fall Putin einer breiteren Diskussion bedurft.
"Es ist nicht hinnehmbar, dass einzelne Mitglieder des Kuratoriums für Entscheidungen in Haftung genommen werden, an denen sie nicht beteiligt waren, über die sie nicht informiert worden sind und über die sie in der Presse erfuhren", kritisierte der Professor. Auch die Sprecherin für Menschenrechte der Unionsfraktion, Erika Steinbach (CDU), übte scharfe Kritik an der Auszeichnung Putins. Gemessen an seinen eigenen Standards dürfe das Kuratorium auch den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro oder die chinesische Staatsführung "nicht außer Betracht lassen", erklärte Steinbach. Auch wenn die genannten Politiker mit Putin "durchaus nicht gleichzusetzen" seien, sei die Preisverleihung an den russischen Regierungschef doch "eine Zäsur der besonderen Art". Kritik an der Preisverleihung kam auch aus Polen. Die Auszeichnung Putins sei "wohl ein Missverständnis", sagte der konservative Parlamentsabgeordnete Pawel Poncyljusz dem Berliner "Tagesspiegel". Er vermute, dass Gedankenlosigkeit oder aber "Absatzinteressen im noch uneroberten Markt Russland" hinter der Entscheidung stünden. Der Quadriga-Verein hatte am Dienstag erklärt, an der umstrittenen Auszeichnung festzuhalten. Putin soll demnach "für seine Verdienste für die Verlässlichkeit und Stabilität der deutsch-russischen Beziehungen" geehrt werden. Die Entscheidung des 20-köpfigen Vereinskuratoriums, den Preis in diesem Jahr unter anderem an den russischen Regierungschef zu verleihen, hatte in den vergangenen Tagen heftige Kritik ausgelöst. Auch Grünen-Chef Özdemir zog sich aus Protest aus dem Kuratorium zurück.Entdecken Sie Yahoo! mit Ihren Freunden
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