Berlin/Köln (dapd). Die privaten Rundfunksender fordern ein Verbot des öffentlich-rechtlichen Sportradios zur Fußball-Europameisterschaft im Sommer. Rundfunkgebühren dafür einzusetzen, "digital ein perspektivisch offensichtlich bundesweit angelegtes Radioprogramm zu initiieren und es als Testlauf runterzuspielen, ist nicht akzeptabel", sagte der Vizepräsident Radio und Audiodienste des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Klaus Schunk, am Donnerstag in Berlin. Dem müsse die Rechtsaufsicht einen unmissverständlichen Riegel vorschieben. "Dieses Programm muss von der Medienpolitik ein klares Spielverbot erhalten", betonte er.
Der WDR hatte zuvor angekündigt, von 19. Mai bis 8. Juli auf dem Kanal "Event - Das ARD Sportradio" täglich 18 Stunden zu senden. Neben der Fußball-EM stehen demnach auch die Europameisterschaften im Schwimmen und in der Leichtathletik sowie das Tennisturnier in Wimbledon auf dem Programm.
Auch die Aufsichtsbehörde der Privatradios in Deutschland kritisierte die Pläne des Senders. Sie seien eine "schwere Belastung für die gemeinsamen Anstrengungen von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk zur Förderung von Digitalradio in Deutschland", sagte der Hörfunkbeauftrage der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Gerd Bauer.
Wenn die ARD einen Testballon für ein Sportradio starte, das in publizistischer Konkurrenz zu einem privaten Sportkanal stehe, der ein wesentlicher Treiber der Markteinführung von Digitalradio sei, dann gefährde die ARD damit die Geschäftsgrundlage nicht nur dieses Senders. Die ARD solle das Sportradio noch einmal überdenken, forderte Bauer.
Der WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz hielt dagegen: "’WDR-Event’ nutzen wir seit Jahren als zeitlich befristeten digitalen Ereigniskanal, selbstverständlich im Einklang mit den medienrechtlichen Regelungen in Nordrhein-Westfalen". Auf dem Sender würden beispielsweise Landtags- und Bundestagsdebatten übertragen oder sportliche Großereignisse. Es handele sich nicht um ein unerlaubtes bundesweites Radioangebot. Der WDR betonte zudem, der Kanal sei ein Angebot auf Zeit.
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