Das Vertrauen in die griechischen Staatsfinanzen sinkt weiter: Die Ratingagentur Moody's stufte die Bonität griechischer Staatsanleihen erneut herunter und drohte mit einer weiteren Herabstufung. Die Bundesregierung und die Europäische Zentralbank (EZB) forderten unterdessen eine Beteiligung privater Gläubiger, um die griechische Schuldenkrise in den Griff zu bekommen.
Moody's begründete die Entscheidung vom Mittwoch, Griechenland vom Niveau B1 auf Caa1 herabzustufen, mit dem erhöhten Risiko, dass Athen seine Finanzkrise nicht ohne Umschuldung in den Griff bekomme. Außerdem erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenlands Geber der Troika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Freigabe ihrer Finanzhilfe an die Beteiligung privater Kreditgeber an der Umschuldung knüpfen könnten.
Das griechische Finanzministerium erklärte, Moody's Entscheidung sei durch "intensive Spekulationen" in Print- und elektronischen Medien beeinflusst und lasse die Anstrengungen der Regierung in Athen zur Stabilisierung der Finanzen außer Acht.
Experten der Troika prüfen derzeit, ob Griechenland beim vereinbarten Schuldenabbau vorankommt. Von der Untersuchung hängt ab, ob die fünfte Tranche über zwölf Milliarden Euro der internationalen Notkredite ausgezahlt wird. Sollte diese Zahlung ausbleiben, müsste Griechenland womöglich auf anderem Weg finanziell geholfen werden. Nach Presseberichten könnten neue Nothilfen für das Land in Höhe von rund 60 Milliarden Euro nötig werden.
Die Bundesregierung will weiteren Hilfen jedoch nicht ohne eine Beteiligung der privaten Gläubiger zustimmen. Das sei eine "klare Erwartung", sagte der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Berlin. "Wenn die öffentliche Seite - also auch der Steuerzahler - sich bereit finden müsste oder würde, den Griechen mehr Zeit zum Atmen zu geben, dann halte ich es für selbstverständlich, dass auch die privaten Gläubiger sich einem derartigen Projekt anschließen würden, in einer Verantwortung für das Ganze."
Auch EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark erklärte, sollten sich private Gläubiger an einer Kreditverlängerung für Griechenland beteiligen, könne dies zu einem Ausweg aus der Krise beitragen. Sollte Athen nicht die notwendigen Maßnahmen vornehmen, müssten andere Beteiligte "eingreifen", sagte Stark der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore". Konkret müssten die Gläubiger neue griechische Staatsanleihen aufkaufen, wenn die alten auslaufen.
Der Chef der Hypo-Vereinsbank, Theodor Weimer, sagte dem "Handelsblatt", nicht Europa habe Fehler gemacht, sondern die Griechen hätten über ihre Verhältnisse gelebt. Durch reduzierte Zinsen und längere Laufzeiten der Staatsanleihen würden das auch andere Länder in Anspruch nehmen, weshalb die EZB "Zähne zeigen" und klar sagen müsse, wo sie nicht mitmache.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte bei einem Besuch in Singapur die hohen Schulden einzelner EU-Länder für die Euro-Krise verantwortlich. "Wir haben kein Problem mit dem Euro", sagte Merkel in einer Rede vor einem Wirtschaftsforum in dem Inselstaat. Die Euro-Zone habe vielmehr ein Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder, sagte Merkel, ohne hochverschuldete Staaten wie Griechenland direkt zu nennen.


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