Die Umstellung deutscher Studiengänge auf Bachelor- und Master-Abschlüsse kommt aus Sicht der Bundesregierung gut voran. Im Wintersemester 2011/2012 waren bereits 85 Prozent der mehr als 15.000 Studiengänge auf die neuen Abschlüsse umgestellt, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht zu dem sogenannten Bologna-Prozess zur Angleichung der Studienbedingungen in Europa hervorgeht. Dem Bericht zufolge gehen junge Menschen auch häufiger zum Studieren ins Ausland: Rund jeder dritte Absolvent könne mittlerweile einen studienbezogenen Aufenthalt im Ausland vorweisen.
Durch die Bologna-Reformen hätten die Mobilität der Studenten und die Durchlässigkeit des Bildungssystems zugenommen, erklärte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in Berlin. Die Hochschulen seien durch die Umstellung auch besser gewappnet für den hohen Studentenandrang, den wachsenden Fachkräftebedarf und die fortschreitende Internationalisierung. Die Zahl der Studienanfänger habe mit mehr als 515.000 im vergangenen Jahr einen Rekordstand erreicht: "Das ist ein Zeichen für die Attraktivität unserer Hochschulen."
Der von der Kultusministerkonferenz (KMK), den Sozialpartnern und mehreren Hochschulinstitutionen erstellte Bologna-Bericht lobte es als "großen Erfolg", dass durch die Reform "mehr Studierende in durchschnittlich kürzerer Zeit" bewältigt werden könnten. Die Studiendauer ist demnach bei den neuen Studiengängen kürzer: Im Jahr 2000 lag die durchschnittliche Dauer bis zu einem universitären Abschluss noch bei 11,5, neun Jahre später bei elf Semestern. Für einen Bachelor-Abschluss dauert das Studium indes im Schnitt 5,9 Semester, für einen Master-Abschluss kommen noch einmal 4,1 Semester dazu.
Bei Studierenden und Unternehmen sei die Akzeptanz der Bachelor-Abschlüsse "deutlich gestiegen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert vor Journalisten in Berlin. Derzeit seien etwa 1,3 Millionen Studenten für Bachelor- oder Masterstudiengänge eingeschrieben. Der Bologna-Bericht zitiert Studien, nach denen 2009 die Arbeitslosenquote der Bachelor-Absolventen ein Jahr nach dem Abschluss bei zwischen zwei und drei Prozent und damit niedriger als bei Absolventen mit traditionellen Abschlüssen lag.
Ziel der 1999 begonnenen Bologna-Reform ist es, die Anerkennung von Studienabschlüssen in der Europäischen Union und auch das Wechseln an eine Hochschule im europäischen Ausland zu vereinfachen. Kritiker monieren, dass die starke Verschulung der Bachelor-Studiengänge den Studenten das Wechseln an andere Hochschulen sogar erschwert. Auch die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen sei weiterhin schwierig. Am 26. und 27. April werden die europäischen Bildungsminister bei einer Konferenz im rumänischen Bukarest über den Stand der Reform beraten.


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