Die Sorge um die finanzielle Überlebensfähigkeit Spaniens wächst. Die Risikoaufschläge für spanische Anleihen stiegen weiter deutlich, während die Börsen weltweit mit heftigen Kursabschlägen auf neue Negativnachrichten aus Madrid reagierten. Finanzminister Luis de Guindos wird am Dienstag in Berlin erwartet.
Spaniens Zentralbank teilte mit, die Wirtschaft des Landes sei im zweiten Quartal voraussichtlich um 0,4 Prozent geschrumpft. Spanien befindet sich seit dem ersten Quartal erneut in der Rezession: Von Januar bis März ging das Bruttoinlandsprodukt ebenso um 0,3 Prozent zurück wie im letzten Quartal 2011.
Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stiegen auf 7,4770 Prozent. Die Marke von sieben Prozent wird als Grenzwert angesehen, ab dem Investoren ein Land in Zahlungsschwierigkeiten sehen. Ein solcher Wert gilt als längerfristig nicht tragbar für einen Staat.
Die Euro-Finanzminister hatten zwar am Freitag endgültig grünes Licht für Kredite in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken gegeben. Investoren befürchten aber, dass auch der spanische Staat selbst zum Kandidaten für Hilfe aus dem Eurorettungsfonds werden könnte.
De Guindos will sich am Dienstagabend mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) treffen, wie eine Ministeriumssprecherin in Berlin mitteilte. Der spanische Minister betonte erneut, dass sein Land keine Hilfen für den Haushalt brauche. Ähnlich äußerte sich Italiens Regierungschef Mario Monti.
In Spanien und Italien gaben die Aktienkurse an den Leitbörsen in Madrid und Mailand jedoch zwischenzeitlich um mehr als fünf Prozent nach. Bei Börsenschluss verbuchte Madrid ein Minus von 1,1 Prozent, in Mailand waren es 2,76 Prozent. Auch der Euro schwächelte.
An den Aktienmärkten in Frankfurt, London und Paris gab es Kursverluste zwischen zwei und gut drei Prozent. Ähnlich war die Lage an den asiatischen Handelsplätzen. An der Wall Street in New York sanken die Kurse ebenfalls deutlich.
Die Kurse an der Börse in Athen rutschten gar um 7,01 Prozent ab, nachdem es am Wochenende Berichte über einen baldigen Bankrott Griechenlands gegeben hatte. Am Dienstag beginnt die Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank in Athen eine neue Prüfung der Sparanstrengungen.
Im Kampf gegen die fallenden Aktienkurse verboten die Finanzmarktwächter in Spanien und Italien spekulative Leerverkäufe von Finanzaktien. Die spanische Aufsicht sprach ein Verbot für die kommenden drei Monate aus, während ihr italienisches Pendant Leerverkäufe zunächst für eine Woche untersagte.





