Berlin (dapd). Verunreinigungen mit dem Darmerreger EHEC wird es nach Worten des Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, immer geben. "Alles was roh verzehrt wird, hat ein gewisses Risiko", sagte Burger im dapd-Interview. EHEC-Infektionen zum Beispiel durch Unsauberkeit in der Küche ließen sich nie ganz vermeiden. Vor einem Jahr waren im Zusammenhang mit einer EHEC-Infektionswelle in Deutschland 53 Menschen gestorben und knapp 4.000 zum Teil schwer erkrankt.
Burger verteidigte die damalige Warnung vor dem Verzehr von Gurken, Tomaten und Salat - die sich später als voreilig erwies. Viele Menschen seien schwer erkrankt, nicht nur an Durchfall, sondern es habe auch Menschen mit Nierenschäden und neurologischen Erkrankungen gegeben, sagte der RKI-Präsident. "Ein Teil der Menschen starb an dieser Infektion", betonte er. Deshalb sei es absolut angebracht gewesen zu warnen, "soweit man es eben eingrenzen konnte zu diesem Zeitpunkt", sagte er. Relativ schnell, in weniger als drei Wochen, habe man die Warnung fokussieren können auf die Sprossen.
Kurz nach Auftreten der ersten EHEC-Fälle im Mai 2011 hatten das RKI und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor dem Verzehr von Salat und rohen Gurken sowie Tomaten gewarnt. Der Umsatz brach kurzfristig ein. Später stellte sich heraus, dass Sprossensamen aus Ägypten Ursache der Infektionswelle waren, die schließlich im Juli 2011 verebbte.
Burger betonte, dass eine gewisse Zahl von EHEC-Infektionen in Deutschland normal sei. Pro Jahr ereigneten sich etwa 1.000 Infektionen, davon verliefen 60 bis 70 Fälle schwer. Im Unterschied zu dem Ausbruch im vergangenen Jahr gebe es dabei aber nicht nur eine Infektionsquelle, auch die Erreger, die man finde, unterschieden sich. "Das war das Ungewöhnliche", sagte Burger in Bezug auf die Ereignisse im Sommer 2011.
Künftig, sagte der RKI-Präsident, wäre es gut, wen man früher informiert würde. Dies erfordere nicht nur die rasche Meldung von EHEC-Fällen, sondern auch eine entsprechende Diagnostik, bei der rasch erkannt werde, dass der gleiche Erreger bei verschiedenen Patienten oder an verschiedenen Orten aufgetreten sei.
Grundsätzlich beschrieb er das Krisenmanagement vor einem Jahr als gut. Natürlich könne es immer optimiert werden, "aber ich sehr auch im Rückblick keine großen Mängel", sagte er.
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