Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl im Senegal ist der bekannte Sänger und Oppositionelle Youssou N'Dour bei der gewaltsamen Auflösung einer Demonstration verletzt worden. Der 52-Jährige sei am Dienstagabend in Dakar am linken Bein verletzt worden, teilten N'Dours Unterstützer mit. Amnesty International warnte vor dem Urnengang am Sonntag vor Einschüchterungsversuchen gegen Journalisten und Oppositionsvertreter.
Ein Sprecher von N'Dours politischer Bewegung "Fekke ma ci bolle" (etwa: Ich mische mich ein) sagte, der Sänger sei beim Arzt gewesen, wolle aber keine große Sache daraus machen. Frankreich äußerte seine "Solidarität" mit dem verletzten Sänger. Ein Sprecher des Außenministeriums in Paris sagte, Frankreich bedauere, dass es durch das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte Todesfälle und zahlreiche Verletzte gegeben habe.
N'Dour wollte bei der Präsidentenwahl am kommenden Sonntag gegen Amtsinhaber Abdoulaye Wade antreten. Der Weltmusik-Star wurde aber nicht zugelassen, weil er nicht genügend gültige Unterschriften gesammelt haben soll.
Angesichts der anhaltenden Unruhen kurz vor den Wahlen warnte Amnesty vor gewaltsamen Übergriffen der Sicherheitskräfte auf Journalisten und Oppositionelle. "Für die Zukunft des Senegal ist es von enormer Bedeutung, dass die Menschen ihre Rechte auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit ausüben können", sagte Wolfgang Roth, Senegal-Experte von Amnesty in Deutschland. Nach Angaben der Organisation wurden bei den Protesten seit Ende Januar mindestens drei Menschen von Sicherheitskräften getötet.
Zugleich wurde in der nördlichen Stadt Saint-Louis ein Oppositionsvertreter wegen illegalen Waffenbesitzes festgenommen. Sein Mandant, Malick Noël Seck von der Sozialistischen Partei, sei seit Dienstagabend in Untersuchungshaft, sagte der Anwalt, Moustapha Mbaye. Demnach wird das Urteil am 8. März erwartet. Mbaye zufolge wurden drei weitere Menschen festgenommen, die in den Fall verwickelt sein sollen.
Malick Noël Seck war bereits im Oktober wegen "Richterbeleidigung" zunächst zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Nach einer Berufungsklage war die Strafe zunächst auf vier Monate verkürzt worden. Schließlich wurde er aufgrund einer Begnadigung durch Präsident Wade Mitte Januar vorzeitig aus der Haft entlassen.
In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Senegal. Zwar sind seit Juli 2011 alle Demonstrationen im Geschäfts- und Regierungsviertel von Dakar verboten, doch das Oppositionsbündnis M23 hatte am Wochenende erneut zu Protesten gegen eine weitere Kandidatur Wades aufgerufen.
Nach Ansicht der Opposition darf sich der 85-Jährige Wade gemäß der Verfassung nicht für eine dritte Amtszeit bewerben. Wade selbst hält seine Kandidatur für rechtmäßig. Auch das Verfassungsgericht des Landes wies Ende Januar Einsprüche gegen Wades erneute Kandidatur als "unbegründet" zurück.


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