Aus Protest gegen US-Gesetzespläne gegen die Internetpiraterie haben das Online-Lexikon Wikipedia und viele andere Websites ihr Angebot vorübergehend abgeschaltet. Wer die englischen Versionen von Wikipedia oder anderer Organisationen aufruft, sieht schwarze Hintergrundseiten und Aufrufe, die Gesetze zu verhindern. Google vermerkte auf seiner US-Seite: "Sagt dem Kongress: Bitte zensiert das Netz nicht."
"Stellen Sie sich eine Welt ohne freies Wissen vor", hieß es auf der geschwärzten Wikipedia-Seite. Millionen von Stunden seien in den vergangenen Jahren darauf verwandt worden, die "größte Enzyklopädie der menschlichen Geschichte" zu erstellen, erklärte Wikipedia. "Und nun erwägt der US-Kongress eine Gesetzgebung, die das freie Internet zutiefst beschädigen könnte."
Die deutsche Ausgabe der Wikipedia-Enzyklopädie ist zwar zugänglich. Doch verwies die deutsche Seite in einem schwarz gefärbten Kasten auf den Protest: "Das Internet darf nicht zensiert werden."
In der Kritik stehen zwei Gesetze, der Stop Online Piracy Act (SOPA) und der Protect IP Act (PIPA), die derzeit in den Häusern des US-Kongresses zur Abstimmung stehen. Beide Gesetzesvorhaben widmen sich der Bekämpfung der Internetpiraterie und werden vor allem von der Film- und Musikindustrie unterstützt. So sollen Internetseiten, denen Urheberrechtsverstöße zur Last gelegt werden, auf eine schwarze Liste gesetzt werden können.
Kritiker befürchten, dass Seiten mit den Gesetzen kurzerhand zensiert werden. An den Protestaktionen beteiligten sich etwa die Organisation Reporter ohne Grenzen, das Softwaresystem WordPress, der US-Regisseur Michael Moore und das populäre US-Netzwerk Cheezburger. "Stop SOPA!" war auf vielen Seiten zu lesen, Cheezburger schrieb etwa: "Diese und Millionen andere Seiten könnten von der US-Regierung zensiert werden."
Bereits am Montag hatte die Wikimedia-Stiftung in San Francisco erklärt, die geplante Gesetzgebung werde dem "freien und offenen Internet" Schaden zufügen. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales warnte vor "neuen Werkzeugen für die Zensur" von Internetseiten in den USA. Mehr als 1800 freiwillige Mitarbeiter des Internet-Lexikons entschieden sich den Angaben zufolge nach einer Online-Diskussion zu dem beispiellosen Schritt.
In einem offenen Brief hatten die Gründer von Internetriesen wie Google, Twitter, Wikipedia und Yahoo sich bereits im vergangenen Monat besorgt über die beiden Gesetzesvorhaben gezeigt. Damit könne die US-Regierung das Internet anhand von Techniken zensieren, die auch von Staaten wie China, Malaysia und dem Iran angewandt würden, hieß es.


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