München (dapd). CSU-Chef Horst Seehofer wertet den Sturz des früheren Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber vor fünf Jahren als Fehler und warnendes Beispiel für andere Parteien. Seehofer sagte der "Süddeutschen Zeitung", das damalige Vorgehen der CSU sei falsch gewesen. Die FDP mache gerade ebenfalls "die Erfahrung, dass es eine Illusion ist, der Austausch von Personen löse alle Probleme".
Seehofer kritisierte: "Wenn die Umfragewerte sinken, Zustimmungswerte für die Führung zurückgehen und man Wahlen verliert, kommen Parteien oft zu dem kurzsichtigem Schluss, die Person an der Spitze auszuwechseln." In solchen Krisensituationen fehle oft die Kraft, "die eigentlichen Ursachen auszuleuchten". Die Erschütterungen durch einen Personalwechsel seien jedoch "gewaltig".
"Es war eine Herkulesaufgabe"
Der CSU-Vorsitzende fügte hinzu: "Die Wogen zu glätten, kostet unheimlich Kraft." So habe seine Partei bei der bayerischen Landtagswahl 2008 unter Stoibers Nachfolgern Erwin Huber und Günther Beckstein 17,3 Prozent verloren. Seehofer, der anschließend Parteichef und Ministerpräsident wurde, betonte: "Es war eine Herkulesaufgabe, an die Spitze einer solchen traumatisierten politischen Familie zu treten und Antworten für die Ursachen des vergangenen Misserfolgs zu geben."
Stoiber hatte am 18. Januar 2007 seinen Rückzug angekündigt. Zuvor war bei einer Klausur der CSU-Landtagsfraktion im oberbayerischen Wildbad Kreuth deutlicher Unmut über den Parteichef laut geworden. Überraschend einigten sich der damalige bayerische Innenminister Beckstein und Wirtschaftsminister Huber über eine Nachfolgeregelung.
Die sogenannte Tandemlösung sah vor, dass Beckstein neuer Ministerpräsident und Huber CSU-Chef wird. Damit bot sich eine Alternative zu Stoiber - der daraufhin das Handtuch warf. Seine Ämter gab er allerdings erst im September 2007 auf.
Seehofer hatte Stoiber bis zu den dramatischen Stunden in Kreuth vehement unterstützt. Der jetzige CSU-Chef sagte nun in dem Zeitungsinterview: "Stoibers Sturz war ein Fehler." Personalrochaden seien keine Garantie für Erfolg.
Die CSU hätte sich "einiges ersparen können"
Seehofer fügte hinzu: "Hätten wir die Analysen, die wir erst nach der Wahlniederlage 2008 angestellt haben, bereits 2007 angestellt, hätten wir uns einiges ersparen können." Denn dann hätte die CSU schon früher erkannt, dass es zu wenig inhaltliche Erneuerung gegeben habe.
Im Deutschlandfunk mahnte Seehofer am Sonntag, eine Partei könne nur mit "Mannschaftsgeist" Erfolg haben. Er bekräftigte zugleich, dass er den früheren CSU-Star und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zurückholen will. Seehofer fügte mit Blick auf Guttenbergs abgeschriebene Doktorarbeit hinzu: "Er hat Fehler gemacht, aber er hat große politische Fähigkeiten. Und mit der erforderlichen Demut wünsche ich mir, dass er bei uns wieder eine aktive Rolle hat."
Auf die Frage, ob dies "Guttenberg von Seehofers Gnaden" heißen würde, antwortete der CSU-Chef: "Ach, wissen Sie, Sie können es auch umgekehrt sehen, dass ich so nervös bin, dass ich unbedingt den Karl-Theodor brauche. Wählen Sie es aus."
dapd


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