Bei der Abstimmung über den erweiterten Euro-Rettungsfonds EFSF hat die Regierungskoalition aus Union und FDP im Bundestag die erhoffte Kanzlermehrheit erreicht. Für den Entwurf stimmten 315 Koalitionsabgeordnete, für die symbolisch wichtige Kanzlermehrheit wären 311 Stimmen nötig gewesen. Auch SPD und Grüne stimmten der Vorlage mit großer Mehrheit zu, die Linkspartei lehnte sie geschlossen ab.
Insgesamt stimmten für das Gesetz, das die deutschen Garantien für den EFSF auf 211 Milliarden Euro erhöht, 523 Abgeordnete. Weitere 85 votierten mit Nein, drei enthielten sich. Es gab 15 Abweichler in den Regierungsfraktionen: Bei der Union waren es zehn Nein-Stimmen und eine Enthaltung, bei der FDP drei Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Ein Verfehlen der schwarz-gelben Kanzlermehrheit wäre als Niederlage für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gedeutet worden und hätte die Opposition zu neuen Fragen nach der Regierungsfähigkeit der schwarz-gelben Koalition veranlasst.
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Koalitionsvertreter reagierten erleichtert auf das Resultat. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einem "Signal" an Europa: "Auf Deutschland ist Verlass." CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe wertete das Ergebnis als Vertrauensbeweis für die Koalition. Auch die EU-Kommission in Brüssel begrüßte das Ergebnis.
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt die Übernahme weiterer Risiken durch Deutschland aber ab. "Wir wollen keine Anhebung des Deckels, wir wollen keine weitere Ausweitung", sagte er in Brüssel. Das habe der Bundestag mit seinem Votum klar gemacht, indem er für Deutschland die Haftungsobergrenze bei 211 Milliarden Euro festgelegt habe.
Das Gesetz sieht vor, dass Deutschland seinen Anteil am Garantierahmen des EFSF-Fonds zur Stabilisierung hochverschuldeter Euro-Länder von bislang 123 auf rund 211 Milliarden Euro aufstockt. Dies entspricht ungefähr zwei Drittel eines Bundeshaushalts.
In der Debatte vor der Abstimmung hatten Oppositionsabgeordnete der Regierung Versagen beim Management der Euro-Krise vorgeworfen. Der Kanzlerin fehle es an Strategie und an Vertrauen, kritisierte der mögliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Die SPD stimme jedoch "aus einer übergeordneten Verantwortung" mit Ja. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf der Regierung vor, durch ihr "Zaudern und Zögern" die Kosten der Krisenbewältigung nach oben getrieben zu haben. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi kritisierte die Vorlage als "unsozial".
Die SPD warf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorsätzliche Täuschung über das wahre Ausmaß der Euro-Rettung vor. Die öffentliche Diskussion um die Frage, ob "die jetzigen Milliarden gar nicht ausreichen", sei "unerträglich", kritisierte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Schäuble schloss weitere Änderungen beim EFSF nicht aus. Er betonte aber, dass bei Änderungen auf jeden Fall das Votum des Bundestags eingeholt werde: "Deswegen ist jede Verdächtigung unanständig und unangemessen."
Der FDP-Abweichler Frank Schäffler begründete sein Nein zum EFSF damit, dass die Vorlage einen "kollektiven Rechtsbruch" darstelle. Der CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Willsch sprach in der Debatte von einem "ökonomisch grundfalschen Weg, der gegen meine Grundüberzeugung geht".


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