Bonn (dapd). Nach dem Rekordzuwachs bei Solaranlagen im vergangenen Jahr wird der Ruf nach einem drastischen Abbau der Subventionen für die mit Milliardenbeträgen gepäppelte Branche immer lauter. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) kritisierte in der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe), die Photovoltaik erzeuge nur drei Prozent des deutschen Stroms, verursache aber 50 Prozent der Förderkosten. "So kann der Umbau der Energieversorgung in Deutschland nicht gelingen", sagte Rösler.
Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen dringt angesichts des Preisverfalls bei Solarmodulen auf eine radikale Kürzung der gegenwärtigen Einspeisungsvergütungen. Dies sei eine "Riesenchance, den Solarausbau viel billiger zu bekommen als erwartet", sagte der Energieexperte des Verbandes, Holger Krawinkel.
Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) kündigte angesichts des "außergewöhnlichen" Zuwachses an, in Kürze mit Branchenvertreter über "eine weitere Verstetigung" der Förderkürzungen reden zu wollen.
Der Hintergrund der Debatte: 2011 wurden in Deutschland so viele Solaranlagen installiert wie nie zuvor. Nach vorläufigen Berechnungen der Bundesnetzagentur gingen Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 7.500 Megawatt neu ans Netz. Das waren noch einmal 100 Megawatt mehr als im bisherigen Rekordjahr 2010. Hält das derzeitige Ausbautempo an, dann würden die von der Bundesregierung für 2022 gesetzten Ausbauziele bereits spätestens Ende 2015 erreicht.
Das Problem dabei: Jede von den Solaranlagen gelieferte Kilowattstunde muss derzeit noch kräftig von den Verbrauchern subventioniert werden. Die Bundesregierung hatte deshalb bereits im vergangenen Jahr versucht, den Solarboom durch Förderkürzungen zu dämpfen - doch bislang ohne Erfolg. Netzagentur-Chef Matthias Kurth rechnet auch in diesem Jahr mit einer Fortsetzung des Booms, da die Preise für Solaranlagen schneller fallen, als die Fördersätze gekürzt werden.
Dabei ist der zu erwartende Subventionsabbau in diesem Jahr durchaus beeindruckend. Der Bundesverband Solarwirtschaft rechnet damit, dass die gesetzliche Kostenbremse allein 2012 zu einer Reduzierung der Einspeisevergütung für Neuanlagen um rund 30 Prozent führen wird. Innerhalb von nur zweieinhalb Jahren werde die Förderung damit nahezu halbiert.
Verbraucherzentrale-Energieexperte Krawinkel glaubt allerdings, dass noch kräftigere Einschnitte möglich sind. Angesichts des Preisverfalls bei Solarmodulen könne die Bundesregierung die Einspeisevergütung bei Dachanlagen von derzeit 24,4 Cent je Kilowattstunde auf 15 Cent je Kilowattstunde absenken und für Freiflächenanlagen von derzeit knapp 18 auf 10 Cent, sagte Krawinkel der Nachrichtenagentur dapd. Das wäre sogar ein Minus von rund 40 Prozent.
Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling warnte dagegen vor einem Subventionsabbau "mit dem Holzhammer". Die Solarförderung könne weiter stetig sinken. Aber dies müsse maßvoll geschehen, um die erfolgreiche Entwicklung nicht abzuwürgen.
dapd


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