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    Sollen Kinderlose mehr für soziale Sicherheit zahlen?

    Unionsabgeordnete provozieren mit einem Plan, demzufolge Kinderlose eine Sonderabgabe zahlen sollen. Einige Parteifreunde signalisieren leichte Zustimmung.

    Das Papier ist nur eine DIN-A-4-Seite kurz. Doch es enthält Sprengstoff für die Debatte um die sozialen Sicherungssysteme. Verfasst hat es die „Junge Gruppe“ der Bundestagsfraktion von CDU/CSU, in der 18 Abgeordnete organisiert sind, die zu Beginn der Legislaturperiode jünger als 35 Jahre waren. Zudem ist das Papier von der „AG Parlamentarischer Beitrat für nachhaltige Entwicklung“ abgesegnet worden, wo auch ältere Parlamentarier mitwirken.

    Unter der Überschrift „Für eine solidarische Demografie-Rücklage!“ wird dabei nicht weniger als eine Sonderabgabe für Kinderlose gefordert. Ab dem 25. Lebensjahr sollen Bürger demnach einen „prozentualen Anteil des Einkommens“ für „die Stabilität der Sozialversicherungen“ entrichten.

    Die Höhe steht nicht im Papier. Gedacht ist aber, dem Vernehmen nach, an ein Prozent. Aber nicht für alle: „Die Abgabe wird nach der Anzahl der Kinder gestaffelt. Kinderlose zahlen die volle Abgabe, bei einem Kind reduziert sich die Abgabe auf die Hälfte, ab dem zweiten Kind ist keine Zahlung zu entrichten.“

    Strafsteuer für Kinderlose! So schäumte die Opposition sofort. Die Provokation ist dabei durchaus geplant. Den Autoren um den sächsischen Abgeordneten Marco Wanderwitz (CDU) geht es vor allem darum, eine Debatte auszulösen.

    Frustriert hatten die jungen Abgeordneten verfolgt, dass die Bildung einer Demografie-Reserve in der Pflegeversicherung – immerhin ein Vorhaben des Koalitionsvertrages – nicht vorankam. Deshalb baten sie um ein Gespräch mit der Bundeskanzlerin, wurden auch prompt ins Kanzleramt geladen und erlaubten sich dort, einmal schrankenlos zu denken.

    „Wir haben die Demografie-Reserve einfach vor die Klammer gezogen“, berichtete Wanderwitz. Meint: Was für die Pflege gilt, gilt genauso für die anderen umlagefinanzierten Sicherungssysteme. Menschen mit keinem Kind oder einem Kind profitieren davon, dass andere in ihrer Generation zwei oder mehr Kinder bekommen hätten, heißt es in dem Papier: „Das war noch hinnehmbar, solange jede Generation insgesamt genügend Kinder bekam. Nachdem das nicht mehr der Fall ist, muss mehr individuelle Gerechtigkeit erreicht werden.“

    Kanzlerin Merkel hatte sich diese Thesen und Vorschläge angehört. Wohlwollend – sagen die jungen Abgeordneten. Ohne Stellung zu nehmen – heißt es im Kanzleramt.

    Keinen Kommentar gab es am Montag von Gesundheitsminister Daniel Bahr. Der FDP-Politiker war freilich auch schon einmal bei der Jungen Gruppe der Unionsfraktion zu Besuch und wurde von den Vorschlägen nicht überrascht.

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    Anderorts brach die Debatte los: Familienministerin Kristina Schröder (CDU), formal auch ein Mitglied der Jungen Gruppe, ging auf leichte Distanz: „Ich finde es vernünftiger, Kinderwünsche zu befördern statt Kinderlosigkeit zu bestrafen. Der Weg hin zu funktionierenden Kinderkomponenten in den sozialen Sicherungssystemen muss über Anreize führen und nicht über Abschreckung.“, sagte sie "Welt Online“.

    Ihre bayerische Kollegin Christine Haderthauer (CSU) sprang hingegen den jungen Abgeordneten bei: „Wir müssen wieder in eine Gesellschaft hineinwachsen, in der es nicht völlig egal ist, wie man lebt. Derzeit gibt es in unserem Sozialversicherungssystem eine Gerechtigkeitslücke zwischen Menschen mit Kindern und ohne. Derjenige, der Zukunft baut und Kinder hat, darf nicht mit denselben Beiträgen belastet werden wie jemand, der das – egal aus welchen Gründen – nicht tut.“ sagte Haderthauer "Welt Online".

    Sie forderte, den Grundgedanken des Papiers auch auf andere Felder anzuwenden: „Für das gesamte Sozialsystem in Deutschland gilt: Diejenigen, die Verantwortung übernehmen, müssen besser dafür honoriert werden. Deshalb muss Kindererziehung für das System ebenso wichtig sein wie Beitragszahlung!“

    Für die CDU signalisierte Generalsekretär Hermann Gröhe immerhin verhaltenes Wohlwollen. „Die Frage, wieweit Erziehung von Kindern Berücksichtigung finden muss, ist ein klassisches Unionsthema“, sagte er nach Sitzungen der Parteiführung und versprach: „Wir werden uns das unvoreingenommen ansehen.“

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    Gröhe verwies allerdings auch auf ein Vorhaben der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion. Diese hatten sich ihren anhaltenden Widerstand gegen die Einführung eines Betreuungsgeldes durch ein anderes Versprechen abhandeln lassen: Erziehungszeiten älterer Frauen sollten künftig rückwirkend auf ihre Rente angerechnet werden.

    Dieser Vorschlag würde ebenfalls mehr Gerechtigkeit für Eltern schaffen, allerdings den Druck auf die Sozialkassen noch erhöhen. In Kombination mit der CSU-Forderung eines Betreuungsgeldes für Eltern, die zu Hause erziehen, und dem schon eingeleiteten Ausbau der Kita- und Krippenlandschaft entstanden so immer neue Ausgaben, die zur Zeit über Verschuldung finanziert werden.

    Das genau wollen die Verfechter der Demografie-Rücklage nicht. Die, so heißt es in dem Papier, „soll dazu beitragen, das Ungleichgewicht des Generationenvertrages zu glätten“. Ganz am Ende haben die jungen Abgeordneten deshalb eine Art Nachhaltigkeitsgarantie in ihr Konzept geschrieben: „Dabei muss die solidarische Demografie-Rücklage vor missbräuchlicher Verwendung im politischen Tagesgeschäft gesichert werden. Eine grundgesetzliche Zweckbestimmung mit eindeutiger Verwendungsdefinition würde dafür am besten Sorge tragen.“

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    Die jungen Abgeordneten waren am Montag jedenfalls zufrieden, eine Debatte angestoßen zu haben: „Es geht hier nicht nur um Generationengerechtigkeit, sondern auch um intergenerative Gerechtigkeit“, erklärte Wanderwitz: „Wir kämpfen nicht egoistisch für unsere Generation, sondern für die Familie.“

    Auch der zuständige gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion, Jens Spahn, pflichtete ihm bei: „Wir wollen, dass das Thema finanzielle Vorsorge für die Alterung in den sozialen Sicherungssystemen auf der Agenda bleibt. Daher muss es auch mit konkreten Aussagen Eingang in die Demografie-Strategie der Bundesregierung finden. Ich wäre als Kinderloser gerne bereit, einen höheren Beitrag zur Entlastung von Familien zu zahlen.“

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    238 Kommentare

    • Silke ☺  •  vor 3 Monaten
      Man sollte endlich ein "Kompetenz-Zeugnis" für Politiker einführen. Besser noch ein psychologisches Gutachten vorlegen, dass anzeigt, ob man als Politiker auf die Öffentlichkeit losgelassen werden kann.
      • cordon vor 3 Monaten
        Ich plädiere auch für eine nachweislich mehrjährige Praktikumsarbeit in sozialen Einrichtungen. Dabei würden sie auch automatisch miterleben, in welch ärmlichen Verhältnissen sehr viele Kinder leben. Dabei sollte dann auch eine lückenlose Anwesenheitsliste vorgelegt werden, damit unsere Pseudo-Newcomer erst gar nicht auf die Idee kommen, sich unter allen möglichen Gründen und Ausreden vom "Pöbel" fernzuhalten.
      • Schatten vor 3 Monaten
        Und oben drauf gleich noch ein Rechtsanspruch gegen Politiker, die (wie in diesem Fall) Gesetze vorschlagen, die klar gegen Grundgesetz, gesunden Menschenverstand und ähnliches verstoßen. Dann würden die schnell wesentlich kleinere Brötchen backen, das kriminelle Pack von der CDU.
    • Thomas  •  vor 3 Monaten
      Einsparen bei den Beamten und Politiker und schon passt es wieder.....
    • Wolfagang Börgler  •  vor 3 Monaten
      So werden die Leute Kinder bekommen,die besser keine bekommen sollten.Beim ersten Stress werden sie misshandelt oder gar getötet.Und das Jugendamt schaut zu,weil sie ihre Pflicht nicht erfüllen.Warum gibt es soviele Kinder in Kinderheime.Man sollte erstmal zusehen,dass diese Kinder richtig und liebevoll untergebracht werden.
    • A.  •  vor 3 Monaten
      Wer Kinder hat, investiert in die Kinder, wer keine hat in den Staat. Wer Kinder hat bekommt etwas zurück, wer keine hat, darf dann beim Staat betteln gehen. Also ich habe zwei Kinder und fände diese Regelung doch ziemlich befremdlich. Wobei, als ich noch keine Kinder hatte, finanziell wesentlich besser gestellt war, als heute, aber das soll nicht heißen, das man deswegen gleich dem Staat was abgeben soll. Kinder zu bekommen sollte immer noch eine freie Entscheidung bleiben. Und leider ist Deutschland, was die Kinderbetreuung etc. angeht immer noch ziemlich hinten dran. Man kann in diesem Land durch das "Kinderkriegen" zum Sozialfall werden, leider.
      • Bela vor 3 Monaten
        Recht hast du. Wir haben 45.000,- € ausgegeben, um unseren Sohn während des Studiums abzusichern, damit er nicht hinterher jahrelang Bafög zurückzahlen muss. Das hat uns echt weh getan und wir haben jeden Monat geknappst, um über die Runden zu kommen und keine Schulden zu machen.
    • jens  •  vor 3 Monaten
      Wie war das noch gleich? Wir sind das Volk?
      Wir sind in meinen Augen "Moderne Sklaven"
    • Wolfgang  •  vor 3 Monaten
      Jeder Politiker, der mit solchen sinnfreien Wortmeldungen auf sich aufmerksam machen muß, erhält eine IQ-Strafsteuer im Parlament.
    • Angie S  •  vor 3 Monaten
      Also das ist nicht mehr witzig. Ich finde das ist eine riesenschweinerrei. Man wird doch hier so und so abgezockt bis zum geht nicht mehr. Es gibt Paare die zb. keine Kinder bekommen können und die sollen jetzt dafür bestraft werden?. Für mich ist das eine verlogene Politik.
      Die Bürger müssten wirklich mal alle auf die Strasse gehen. Außerdem ist das meiner Meinung nach nicht rechtens. Ich würde vor Gericht gehen. Bin echt wütend.
    • Christian  •  vor 3 Monaten
      Îch gehe mal davon aus das die Abgeordneten die das verfasst haben natürlich nicht zur Kasse gebeten werden?
    • Rita  •  vor 3 Monaten
      und was passiert mit denen die ungewollt Kinderlos sind?...die müssen natürlich zahlen für andere die den Hals nicht voll kriegen!!!... Diejenigen die Kinder haben bekommen so viel möglichkeiten an Unterstützung... was wollen die noch?? Das können die Politiker zahlen, die ohnehin schon zuviel Geld bekommen... sonst würden sie nicht auf solche Idee kommen.
    • Begbie  •  vor 3 Monaten
      Eine neue Steuer...was für eine grandiose Idee....;-)
    • heaven  •  vor 3 Monaten
      Wie weltfremd ist das denn - wo kann man denn noch überall holen?? Verkehrte Welt.
    • Manfred  •  vor 3 Monaten
      Ich wäre davon betroffen, stehe aber dazu.
      Wenn ich sehe wie es mir selbst ergeht in diesem angeblich so sozialen Rechtsstaat wo einem als gesundheitlich eingeschränkten Arbeitsuchenden jegliche Hilfe zur beruflichen Rehabilitation abgelehnt wird. Begründung: "Der Gesetzgeber hat die Gelder für Eingliederungsmaßnahmen gestrichen" und dann wird noch lapidar angfügt: "Das sind wir dem Steuerzahler gegenüber schuldig".
      Diätenerhöhungen müssten in diesem Zusammenhang dann auch gestrichen werden.
      In solch ein korruptes asoziales Verbrechersystem kann ich nicht guten Gewissens wehrlose Kinder hineinzeugen. Das grenzt ja schon an Mißhandlung.
    • Lilla  •  vor 3 Monaten
      Die Deutsche Politik schmeisst das Kind erst in den Brunnen und denkt dann darüber nach wie sie es wieder rausbekommen, was heisst die Politik ist viel zu kurzsichtig, die handeln immer Panikartig aber was langsichtig daraus wird können die Bürger wieder ausbaden!
    • Gerd  •  vor 3 Monaten
      die dreckspolitiker sollen erstmal selber abgaben zahlen bevor die anderen noch mehr geld aus der tasche ziehen.mit welchen recht gehen die abgabefrei durchs leben.wenn die auch alles bezahlen müssten, würden die vorher überlegen was die machen.aber mit dem denken haben die es ja nicht so sehr.können nur dumm reden.
    • nachtfalke  •  vor 3 Monaten
      nur noch Schwuchteln und Schwachmaten in der Pseudoregierrung pfui teifel
      • Hans vor 3 Monaten
        Ja, das sind die, die in der Schule früher von allen gemobbt wurden und sich jetzt rächen...
    • Marcel  •  vor 3 Monaten
      Ja schon klar, die Welt platzt aus allen Nähten und wenn das nicht bald geschafft ist müssen Kinderlose blechen =(^_^)= Fangen die da in der Regierung eigentlich auch irgendwann mal an was Nützliches zu tun ausser Grütze nach dem Saufen aufzuschreiben?
    • John  •  vor 3 Monaten
      Wenn wir als Kinderlose zur Kasse gebeten werden,müssen wir auch wieder entlohnt werden wenn wir nicht weiterhin die Grundseuche der Überbevölkerung befeuern.Denn das wird eines der allergrößten Probleme zumindest unserer nächsten Generatin sein.Jedes Jahr 80 Millionen Menschen zusätzlich auf unserer Erde.Das führt ins Elend
      • Elka vor 3 Monaten
        Wer Kinderhasser ist bestraft sich selbst. . Nicht nur mit Steuern.
        In China werden noch immer Mädchen getötet, als Geburtenkontrolle.
        Die dürfen wegen der Überbevölkerung maximal nur ein Kind. Staatlich verordnet.
        Insofern ist es gut das die Kinderhasser keine Kinder kriegen und langsam aussterben..
    • Christine  •  vor 3 Monaten
      Was soll das bringen???
      Besser wäre es, die ganzen Sozialhilfeempfänger irgendwie dazu zu bringen, keine Kinder mehr in die Welt zu setzten.
    • Yahoo! Benutzer  •  vor 3 Monaten
      hat doch der Pillenknick absolut nichts mit dem rückgang der kinderzahl zu tun, fast alle sind ja ungewollt kinderlos, oder? Kinder sind privatsache, hab ich mir immerwieder anhören müßen ok, aber warum sind kinder öffentliches eigentum, wenns z.b. um die rente geht. da sollen sie aber schon die Renten der kinderlosen mitbezahlen.
      Rentenbeiträge für meine die rente meiner eltern, da hab ich kein problem, aber warum soll ich die kinderlosen mitfinanzieren? die haben doch erheblich mehr geld, da sie doch keine kinder hatten, also konnten sie auch entsprechend vorsorgen.
    • MaryAnn  •  vor 3 Monaten
      Es wäre sinnvoller, Kinderkriegen wieder attraktiver zu machen,z.Bsp. durch bessere Betreuungsangebote, damit man trotz Kindern arbeiten kann, um sie sich leisten zu können, denn JA: Kinder kosten Geld. Aber es würde vielen Paaren die Entscheidung Kinder zu bekommen erleichtern, wenn hinterher nicht soviele Ängste stehen würden, wie die vor dem Jobverlust, weil man nicht mehr so flexibel sein kann, wie ohne Kind. Da sind auch Arbeitgeber gefragt, sich mit den ja durchaus schon vorhandenen Arbeitszeitmodellen mit ihren bekinderten Angestellten zu arrangieren.
      Aber Menschen finanziell schlechter dastehen zu lassen, nur weil sie sich nicht für Kinder entschieden haben oder keine bekommen konnten, finde ich moralisch eher verwerflich und nicht mit dem Grundgesetz unseres Landes vereinbar.
      • Lilla vor 3 Monaten
        Es wäre leichter und effektiver wenn die Betriebe auch eigene Betreuungsmöglichkeiten einrichten würden!
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