Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy hat sich "sehr zufrieden" mit der Bereitschaft der Eurozone zu Finanzhilfen für die angeschlagenen Banken seines Landes gezeigt. "Die Glaubwürdigkeit des Euro hat gewonnen, seine Zukunft und die Europäische Union", sagte Rajoy zu der Entscheidung der Eurozone, Spanien bis zu hundert Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Dies sei eine "sehr klare und starke Botschaft" gewesen, ergänzte er.
Auf die Frage, ob er unter Druck gesetzt worden sei, Hilfen zu beantragen, sagte Rajoy: "Niemand hat Druck auf mich ausgeübt. Ich weiß nicht, ob ich das sagen sollte, aber ich war derjenige, der Druck gemacht hat, weil ich eine Kreditlinie wollte, die ein wichtiges Problem für uns hier löst." Seine Regierung hatte bis zuletzt öffentlich dementiert, Hilfen zu benötigen.
Spanien hatte nach langem Zögern am Samstag angekündigt, Finanzhilfen aus den Euro-Rettungsfonds zu beantragen. Anders als Griechenland, Portugal und Irland, die bereits unter den Rettungsschirm geschlüpft sind, soll der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone aber kein strenger Sparkurs im Gegenzug für die Hilfen abverlangt werden. Die Auflagen dafür beziehen sich nach Angaben des spanischen Wirtschaftsministers Luis de Guindos nur auf den Bankensektor.
Dass nicht der Staat an sich, sondern nur die Banken Hilfe bräuchten, sei den Reformen seiner Regierung zu verdanken, betonte Rajoy. Ohne die Reformen der vergangenen fünf Monate hätte es einen Rettungsantrag für das gesamte Land geben müssen, sagte er.
Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF), der sich diesmal offenbar nicht an der Finanzierung der Hilfe beteiligt, brauchen die spanischen Banken mindestens 40 Milliarden Euro, möglicherweise aber auch das 1,5- bis Zweifache dessen, um krisenfest zu werden. Madrid selbst nannte keinen Betrag für die benötigten Hilfen.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) würdigte in einer Erklärung "die Entschlossenheit der spanischen Regierung". Das Land "als Ganzes" sei dank eingeleiteter Reformen "auf einem guten Weg". In den ARD-"Tagesthemen" sagte Schäuble zudem, er sehe keine Notwendigkeit für weitere Rettungsaktionen in Spanien.
EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn forderte Spanien auf, den offiziellen Antrag auf europäische Finanzhilfen noch vor dem nächsten Treffen der Eurogruppe am 21. Juni zu stellen. Spanien müsse "schnell" einen formellen Antrag vorlegen, erklärte Rehn am Sonntag in Brüssel.






