Nach dem versuchten Briefbombenanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sind die Ermittler bei der Tätersuche keinen entscheidenden Schritt vorangekommen. Die Auswertung der Spuren und des von der linksextremistischen Gruppe Informelle Anarchistische Föderation (FAI) unterzeichneten Bekennerschreibens dauern an, sagte ein Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes. Ein SPD-Innenpolitiker zeigte sich besorgt über ein Erstarken des Linksterrorismus.
Zu Angaben in dem in italienischer Sprache verfassten Schreiben, wonach insgesamt "drei Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger" geplant seien, sagte der Sprecher: "Wir nehmen das ernst." Der an Ackermann persönlich adressierte Brief war am Mittwoch in der Poststelle der Deutschen Bank in Frankfurt am Main abgefangen worden. In dem Umschlag befand sich den Ermittlern zufolge eine funktionsfähige Briefbombe.
Die FAI hatte nach Ermittlerangaben in der Vergangenheit mehrfach die Verantwortung für Anschläge gegen staatliche Organisationen in Europa übernommen. 2003 bekannte sich die Gruppe demnach zu einem versuchten Briefbombenanschlag auf die Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt konnten damals keine Tatverdächtigen ermitteln.
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Michael Hartmann, bezeichnete den Anschlagsversuch in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" als "Alarmzeichen". Er habe die Sorge, "dass wir in ein Klima des Klassenhasses zurückfallen könnten, das es in Deutschland in den 1970er Jahren schon einmal gab". Hartmann forderte verstärkte Sicherheitsmaßnahmen: "Der polizeiliche Objekt- und Personenschutz sollte massiv hochgefahren werden."
Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, verurteilte den versuchten Anschlag auf Ackermann. "Die Täter haben nicht begriffen, worum es geht", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". Briefbombenanschläge stellten keinen Ausweg aus der gegenwärtigen Krise dar. "Niemand hat das Recht, einem Menschen seine Gesundheit oder gar sein Leben zu nehmen", sagte Gysi.


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