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    Staatstrojaner im Bundestag

    Berlin (dapd). Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sieht einigen Nachbesserungsbedarf bei der Nutzung von Staatstrojanern zur Computerüberwachung. Die Grenzen zwischen verschiedenen Ermittlungsmethoden müssten klar sein und Manipulationen ausgeschlossen, sagte die FDP-Politikerin am Mittwoch bei einer Aktuellen Stunde im Bundestag. Außerdem wandte sie sich dagegen, die Programmierung an private Firmen abzutreten. Auch Oppositionspolitiker forderten klare Regeln für die Nutzung solcher Spähsoftware.

    Ermittler haben in Deutschland verschiedene Möglichkeiten zur Computerüberwachung von Verdächtigen: die Online-Durchsuchung und die sogenannte Quellen-Telekommunikationsüberwachung, kurz Quellen-TKÜ. In beiden Fällen wird ein Trojaner, also ein Späh-Programm, auf den Rechner aufgespielt. Bei der Quellen-TKÜ werden etwa Telefongespräche überwacht, die nicht über klassische Telefonverbindungen, sondern über das Internet geführt werden. Screenshots oder der Zugriff auf die Festplatte sind verboten.

    Die Online-Durchsuchung erlaubt dagegen einen deutlich tieferen Einblick in den Rechner. Allerdings sind beide Instrumente nur unter strengen rechtlichen Auflagen zulässig. Der Chaos Computer Club hatte zuletzt eine staatlichen Überwachungssoftware geknackt, die weit mehr könnte als gesetzlich erlaubt. Das hat eine hitzige Debatte über die Ermittlungsarbeit im Netz angefacht.

    Leutheusser-Schnarrenberger warb im Bundestag dafür, offen über Defizite und Schwächen des bisherigen Systems zu reden. Keine Quellen-TKÜ dürfe in eine Online-Durchsuchung übergehen. "Da müssen klare Grenzen gezogen werden." Auch dürften Dritte nicht die Möglichkeit bekommen, die Technik zu manipulieren.

    Im dapd-Interview kritisierte sie die Entwicklung der umstrittenen Trojaner-Software durch eine private Firma. "Der Staat sollte den Grundrechtsschutz nicht faktisch in die Hände privater Programmierer legen", sagte Leutheusser-Schnarrenberger.

    Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, mahnte, der Staat dürfe die Software nicht bei zwielichtigen Firmen einkaufen, sondern müsse sich selbst darum kümmern und dies anschließend von unabhängigen Experten prüfen lassen.

    Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann forderte klare rechtliche Grenzen für den Einsatz von Staatstrojanern. Die Behörden müssten mit solchen Programmen sorgsam und präzise umgehen. Der Staat müsse in allen Phasen die volle technische Kontrolle über solche Programme haben, Sicherheitslücken dürfe es nicht geben.

    Der Linke-Abgeordnete Jan Korte bezeichnete die Quellen-TKÜ als "Überwachungswanze", die technisch viel mehr könne als eigentlich vorgesehen. Er forderte den kompletten Stopp der Nutzung von Trojanern.

    Innenstaatssekretär Ole Schröder (CDU) mahnte dagegen, Ermittler dürften nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Man dürfe nicht alle polizeilichen Mittel generell infrage stellen, nur weil sie theoretisch missbraucht werden könnten.

    Der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), sagte, es sei ein "Zerrbild", dass sich der Staat angeblich in die Computer von Millionen Bürger einhacke. Die Technik der Quellen-TKÜ könne in der Tat mehr, dazu komme es aber nicht. "Es ist nicht außer Kontrolle", betonte er. Es gebe immer mehr Kriminalität im Netz. Und die Behörden müssten dafür sorgen, dass die Sicherheit auch im Internet gewahrt bleibe.

    dapd

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    10 Kommentare

    • Buck  •  vor 7 Monaten
      Ich denke, dass die Piraten noch in der Wählergunst steigen werden.
      Die Landeskriminalämter betreiben aktive Werbung für diese Partei.
    • Uri125  •  vor 7 Monaten
      Willkommen in der schönen neuen Bespitzelungswelt. Bürgerrechte und Grundgesetz ade..
    • Wahooka  •  vor 7 Monaten
      Das einzige was die bereuen ist, das es ans Licht gekommen ist.
    • Fast Drei Prozent  •  vor 7 Monaten
      komisch, da hat man gerade erst die ganzen leute in der gauckbehörde mit stasivergangenheit aussortiert weil die in der vergangenheit ihre bürger bespitzelt haben...
      und WO ist der unterschied zu unserer regierung ???
      kann man nur hoffen ihr werdet eines tages genauso behandelt, wenn die nächste mauer fällt, die in unseren köpfen !!!
    • wikinger  •  vor 7 Monaten
      Wers glaubt wird selig...
      Piraten macht was dagegen
    • Ralle  •  vor 7 Monaten
      ...wer bespitzeln darf, hängt immer davon ab, wer an der Macht ist, denn die Macht macht vieles legitim, um es als "anders" zu formulieren und zu erklären. die Wirkung ist die geliche : ob ich von Nazis, Kommunisten, oder Demokraten , oder was es sonst noch gibt,überwacht werde, ist doch völlig latte : Ich werde durchleuchtet, im Notfall gegängelt.. Das Kind hat nur einen anderen Namen.
    • Andrè  •  vor 7 Monaten
      ...und da wettern noch welche gegen die Piraten.. :-((. ICH hab' keinen Bock zum gläsernen Menschen zu werden!
      • SLIMtronics vor 7 Monaten
        Glaesern sind Sie mit oder ohne Piraten und mit oder ohne Bundestrojaner schon laengst. Das ist doch nur die alleroberste Spitze des Eisbergs. Ihre Daten sind in so vielen Datenbanken eingebaut; wenn das in naher Zukunft alles mal verbunden ist, dann wissen diese kranken Voyeuristen mehr ueber Sie als Sie selbst und brauchen gar keinen Trojaner mehr. Technisch gesehen, koennte man ganz locker vorhersagen, wenn Sie beispielsweise mal an einer Tankstelle sind, wieviel Sie in etwa tanken werden, wohin die Fahrt gehen wird und was Sie als naechstes tun oder einkaufen werden. Profiling und Prediktionsmodelle auf Backpropagationsbasis sind schon sehr weit fortgeschritten. Die einzige noch vorhandenen Bremse sind wie gesagt die noch nicht vollstaendig verbundenen Datenbestaende.
    • Michael  •  vor 7 Monaten
      Es macht einafch nur Angst, was unsere Regierung sich hier herausnimmt... ich kann es garnicht glauben. ;-(
    • Louis  •  vor 7 Monaten
      China ist nicht mehr weit.
    • Prinz  •  vor 7 Monaten
      Boh sind die fetisch...
      Da sach doch mal einer was gegen Aldi und Lidl Prepaid.
      Die Karten melde ich dann auf deren Namen Oan.
      Tatütata der Bürger war schon schneller daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa. ...
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