Führende SPD-Politiker haben kurz vor dem SPD-Parteitag vor überzogenen Steuererhöhungen für Spitzenverdiener und einem Linksruck in der Partei gewarnt. "Die SPD ist gut beraten, weiterhin Maß und Mitte zu halten", sagte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier der "Frankfurter Rundschau". In Berlin kamen die SPD-Gremien zusammen, um den Parteitag vorzubereiten, der am Sonntag beginnt.
Steinmeier wandte sich gegen Forderungen der Parteilinken, Gutverdiener zusätzlich zu der vom Parteivorstand favorisierten Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent noch mit einer dreiprozentigen Reichensteuer zu belasten. Das Finanzkonzept sei "solide durchgerechnet", sagte er. Zudem sei eine Steuerbelastung von mehr als 49 Prozent nicht geeignet, um neue Wähler an die SPD zu binden.
Steinmeiers Parteikollege Peer Steinbrück warnte ebenfalls vor überzogenen Steuererhöhungen. Politischen Kritikern dürfe "keine Munition" geliefert werden, indem bei der Steuerpolitik überzogen werde, sagte er der "Bild am Sonntag".
Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte "Maß und Mitte" in den Steuerforderungen. Sonst könnten sich auch Normalverdiener irgendwann nicht mehr sicher sein, dass die SPD auch ihnen in die Taschen greifen wolle, sagte er dem SWR.
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die erwartete kontroverse Debatte über das Thema Steuern sei "kein Beinbruch". Auf die Frage, ob sie bereit sei, der Parteilinken bei der Kapitalertragssteuer entgegenzukommen, um einen Beschluss über eine Reichensteuer zu verhindern, sagte Nahles: "Ich führe keine öffentlichen Tauschgeschäfte." Aus dem linken Parteiflügel war zuvor als Alternative für die Reichensteuer eine Erhöhung der Abgeltungssteuer für private Kapitaleinkünfte ins Gespräch gebracht worden.
Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) warnte vor jeglichen Steuererhöhungen. "Die Pläne, die Steuern zu erhöhen, halte ich für ganz falsch", sagte er der "Welt am Sonntag". Schröder verteidigte die in seiner Regierungszeit beschlossene Senkung des Spitzensteuersatzes auf 42 Prozent und warnte die SPD davor, dies nun rückgängig zu machen.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte vor der Sitzung des Parteipräsidiums, er glaube, dass die vom Parteivorstand angestrebte Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent auf große Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen werde. Auf die Frage, ob er einen Linksruck der SPD fürchte, sagte Wowereit: "Die SPD ist eine linke Volkspartei und bleibt eine linke Volkspartei."
In der Debatte um die SPD-Kanzlerkandidatur brachte Parteivize Hannelore Kraft weitere mögliche Bewerber ins Gespräch. "Jeder sozialdemokratische Regierungschef in den Ländern hat die nötige politische Erfahrung, um ein solches Amt auskleiden zu können", sagte Kraft der "Welt". Für sich selbst schloss sie allerdings eine Spitzenkandidatur aus. Bislang werden Steinbrück, Steinmeier und Gabriel als Kandidaten gehandelt.
Auf dem dreitägigen Parteitag soll die Kandidatenfrage offiziell keine Rolle spielen. Die SPD will sich erst in einem Jahr festlegen.


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