Lindau (dapd). Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat die Deregulierung der Finanzmärkte beklagt. Regierungschefs und Zentralbanken, die an die Freiheit der Märkte geglaubt hätten, verstünden nichts von den Märkten, sagte Stiglitz am Mittwoch auf der Bodensee-Insel Lindau. Dort treffen sich derzeit die Nobelpreisträger für Wirtschaft.
Erscheinungen wie die jüngste Kredit- und Euro-Krise seien von Anfang an ein Problem des Kapitalismus gewesen. Ihnen könne man nicht mehr mit alten Standards begegnen. Die Regulierungsmechanismen müssten den Märkten des 21. Jahrhunderts angepasst werden.
Euro-Bonds bezeichnete Stiglitz als eine Art, den Euro zu stützen. Es gebe aber auch viele andere Möglichkeiten, den in Not geratenen Ländern zu helfen. Die gegenwärtigen Probleme seien schon bei Gründung der Eurozone ins System eingepflanzt worden, als die Wechselkurse abgeschafft worden seien. Dem Finanzsystem seien dadurch Mechanismen genommen worden, um Märkte zu stabilisieren.
Nach Ansicht von Stiglitz ist die Zurückführung in nationale Eigenständigkeiten aber zu teuer: "Das ist jetzt unser aller Problem, und die Bürde wird immer größer." Von der Wissenschaft seien keine Vorschläge zur Lösung der Finanz- und Euro-Krise zu erwarten, fügte Stiglitz hinzu.
Stiglitz' Kollege Edmund Phelps, ebenfalls Nobelpreisträger, bezeichnete es als schwierig, Euro-Bonds zu beurteilen. "Bevor wir darüber diskutieren, müsste es ganz strikte Regeln für Finanzmärkte geben. Es müssten Sanktionen festgelegt und verhindert werden, dass diese Regeln durchbrochen werden", sagte er.
In Lindau diskutieren bis Sonntag 17 Preisträger mit 373 Nachwuchsökonomen aus aller Welt.
dapd


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