Die Wirtschaft der Eurozone rutscht in diesem Jahr zwar in die Rezession ab, die Stimmung in Deutschland kann das jedoch nicht trüben. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar den vierten Monat in Folge an, wie das Ifo-Institut mitteilte. Weiterhin düster sieht es hingegen der EU-Kommission zufolge für Südeuropa aus.
"Die deutsche Wirtschaft kann zuversichtlich in die Zukunft blicken", erklärte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nach Vorlage des Ifo-Index. Dieser stieg von 108,3 Punkten im Januar auf jetzt 109,6 Punkte. Die vom Münchner Ifo-Institut befragten 7000 Unternehmen sehen somit zuversichtlicher in die Zukunft und bewerten auch ihre aktuelle Lage besser.
Die Anzeichen verstärkten sich, dass die deutsche Wirtschaft nach der leichten Abschwächung am Jahresende 2011 "bereits wieder Tritt gefasst hat", bewertete Rösler die Entwicklung. "Das außenwirtschaftliche Umfeld, insbesondere im Euroraum, bleibt aber schwierig."
Das bestätigte die neueste Prognose der EU-Kommission. "Das Bruttoinlandsprodukt der Länder der EU wird im Jahr 2012 unverändert bleiben, wobei der Euroraum aber in eine milde Rezession abrutscht", sagte Wirtschaftskommissar Olli Rehn in Brüssel. Demnach schrumpft die Wirtschaftskraft der Eurozone in diesem Jahr um 0,3 Prozent. Sie entwickelt sich somit deutlich schlechter als bisher angenommen: Im November war die Kommission noch von einem Eurozonen-Wachstum von 0,5 Prozent ausgegangen.
Die Erwartungen haben sich seither allgemein eingetrübt. Deutschland kommt jedoch weiterhin vergleichsweise gut durch die Krise: Die Kommission rechnet für dieses Jahr mit einem Plus von 0,6 Prozent der deutschen Wirtschaftskraft. Im Herbst hatte sie noch ein Plus von 0,8 Prozent erwartet.
Die Verbraucherpreise steigen in Deutschland den Berechnungen zufolge um 1,9 Prozent und somit weniger stark als im europaweiten Vergleich. Die Inflationsrate wird den Berechnungen zufolge in diesem Jahr bei 2,1 Prozent in der Eurozone liegen. Als Grund für die steigenden Preise nannte Rehn dauerhaft hohe Kosten für Energie.
Negative Nachrichten kommen aus Südeuropa: Besonders schlecht entwickelt sich die Wirtschaft der Sorgenkinder Griechenland und Portugal, wo das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Analyse zufolge um 4,4 Prozent beziehungsweise 3,3 Prozent schrumpft. Auch das ist schlechter als noch in der Herbst-Prognose erwartet - damals war die Kommission davon ausgegangen, dass Griechenlands BIP um 2,8 Prozent zurückgeht, das BIP Portugals um 3,0 Prozent.
Nach einem Minus von 6,8 Prozent im Jahr 2011 sinkt die griechische Wirtschaftsleistung somit im fünften Jahr in Folge. Erst am Dienstag hatten die Euro-Länder neue Milliardenhilfen für Griechenland beschlossen, um das Land vor der Pleite zu bewahren. Die als Wackelkandidaten in der Schuldenkrise geltenden Länder Italien und Spanien müssen sich laut Prognose auf einen Rückgang der Wirtschaftskraft in Höhe von 1,3 Prozent beziehungsweise 1,0 Prozent einstellen.
"Obwohl das Wachstum abreißt, sehen wir Zeichen der Stabilisierung in der europäischen Wirtschaft", zeigte sich Rehn jedoch zuversichtlich. Die Unruhe an den Finanzmärkten nehme ab und die Stimmung in der Wirtschaft verbessere sich.


49 Kommentare