Reisende bleiben in der Urlaubszeit von Streiks bei der Bahn verschont. Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) verständigten sich auf einen Tarifabschluss mit einer Lohnerhöhung von 6,2 Prozent für die rund 20.000 Zugführer im Konzern, wie die Tarifparteien in Berlin mitteilten. Gewerkschaft wie Unternehmen zeigten sich zufrieden mit der Einigung.
Durch den in zweiter Verhandlungsrunde erzielten Tarifabschluss mit zwei Jahren Laufzeit sind Streiks in den Sommerferien abgewendet. Vorgesehen ist den Angaben zufolge ein stufenweiser Anstieg: Rückwirkend zum 1. Juli steigen die Einkommen der Lokführer um 3,8 Prozent, zum 1. November 2013 um weitere 2,4 Prozent. Zudem soll zu diesem Termin die betriebliche Altersvorsorge der Lokführer im Gesamtwert von einem Prozent verbessert werden.
Die GDL hatte sieben Prozent mehr Gehalt für die Laufzeit von einem Jahr gefordert. Das erste Angebot der Deutschen Bahn lag bei 5,5 Prozent für eine Laufzeit von zwei Jahren. Der Tarifvertrag für die Lokomotivführer war am 30. Juni ausgelaufen. Im vergangenen Jahr hatten Bahn und GDL ihren Tarifstreit erst nach neun Monaten und 15 Verhandlungsrunden beigelegt und sich auf eine Tariferhöhung von 2,0 Prozent geeinigt.
Der erzielte Abschluss sei "fair und vernünftig", erklärte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber nach den gut zehnstündigen Verhandlungen. Jedoch sei der Konzern "an die Grenze des Machbaren gegangen". Die Laufzeit von 24 Monaten gebe der Bahn planerische Sicherheit - auch vor dem Hintergrund der Euro-Schuldenkrise und einer möglichen Abschwächung der Konjunktur in Folge.
GDL-Chef Claus Weselsky erklärte, die Gespräche seien deswegen erfolgreich verlaufen, "weil beiden Seiten im Rahmen der Verhandlungen ihren Einigungswillen stets betonten". Die Tarifkommission der Gewerkschaft habe das Verhandlungsergebnis bereits einstimmig gebilligt.
Das Lohnplus trage dazu bei, den Beruf Lokführer wieder attraktiver zu machen, erklärte Weselsky. Bei der Bahn fehlten bundesweit rund 800 Lokführer.
Angesichts des harten Kurses und Streiks der GDL bei Tarifkonflikten in der Vergangenheit sagte Gewerkschaftschef Weselsky, er sei sich dessen bewusst, "dass wir in den vergangenen Tarifrunden auffällig waren". Nunmehr sei jedoch der Beweis erbracht, dass die Spartengewerkschaft einen Tarifabschluss auch auf dem Verhandlungswege ohne Arbeitskampfmaßnahmen erreichen könne.
Bundesweit gibt es rund 27.000 Lokführer bei der Deutschen Bahn sowie deren Wettbewerbern. Der Tarifabschluss gilt nur für die rund 20.000 Lokführer, die bei dem bundeseigenen Bahnunternehmen beschäftigt sind. Ein Tarifabschluss mit den privaten Schienengüterverkehrsunternehmen steht erst noch bevor.



