Bei Krawallen am Rande von Studentenprotesten in der kanadischen Provinz Québec sind nach Polizeiangaben sechs Demonstranten und drei Polizisten verletzt worden. Ein Student sei an einem Auge erblindet, teilte ein Krankenhaus am Samstag mit. Die seit Wochen friedlich verlaufenden Proteste waren am Freitag in Gewalt umgeschlagen, mehr als hundert Menschen wurden festgenommen.
Mehr als 2000 Demonstranten aus der gesamten Provinz, darunter Studenten, Professoren und Gewerkschafter, zogen zunächst friedlich durch die 170 Kilometer östlich von Montréal liegende Stadt Victoriaville, wie ein AFP-Reporter berichtete. Vor dem Kongresszentrum, in dem am Wochenende eine Versammlung der in der Provinz regierenden Liberalen Partei Québecs (PLQ) stattfindet, gab es jedoch Zusammenstöße zwischen der Polizei und gewalttätigen Demonstranten.
Die Demonstranten griffen das Kongresszentrum mit Wurfgeschossen an, zerstörten eine Fensterscheibe und durchbrachen die Absperrungen vor dem Gebäude. Die Polizei setzte Reizgas ein. Das Treffen der PLQ war aus Angst vor Studentenprotesten eigens von Montréal nach Victoriaville verlegt worden.
Bei den Krawallen verlor ein junger Mann an einem Auge das Augenlicht, wie das Universitätskrankenhaus der Stadt Trois-Rivières mitteilte. Ein anderer Student erlitt nach Angaben von Augenzeugen schwere Schnittwunden an einem Ohr.
"Die Polizisten haben die nötige Gewalt angewendet, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten", sagte der Chef der Provinzpolizei, Jean Finet, am Samstag bei einer Pressekonferenz. 106 Menschen seien während und nach der Demonstration festgenommen worden.
Die seit Mitte Februar andauernden Studentenproteste richten sich gegen eine geplante massive Erhöhung der Studiengebühren in Québec. Diese sollen über fünf Jahre hinweg um 75 Prozent auf 3800 Dollar jährlich angehoben werden. Der Ministerpräsident von Québec, Jean Charest, forderte die Studenten am Freitag auf, "zur Vernunft zu kommen" und ihr Studium wieder aufzunehmen. Etwa 170.000 Studenten beteiligen sich an dem Streik.
Am Samstag verkündeten die Regierung von Québec und die Studentengewerkschaft der französischsprachigen Provinz eine Einigung auf einen Fahrplan, mit dem die Krise beendet werden soll. Über den Inhalt der Vereinbarung, die Bildungsministerin Line Beauchamp mit Studentenvertretern in einer 23-stündigen Marathon-Sitzung aushandelte, wurde nichts bekannt. Der Fahrplan muss noch von der Basis der Studentenorganisationen abgesegnet werden.

