Ladendiebstähle haben den Handel vergangenes Jahr einer Studie zufolge 3,8 Milliarden Euro gekostet. Rund die Hälfte des Schadens (rund 1,9 Milliarden Euro) gehe dabei auf das Konto von Kunden, teilte das Handelsforschungsunternehmen EHI am Dienstag in Köln mit. Warenverluste im Wert von 800 Millionen Euro würden Mitarbeitern angelastet, was 21 Prozent der Gesamtsumme entspreche. 18 Prozent des Schadenswertes seien auf schlechte Organisation der Unternehmen zurückzuführen, rund zehn Prozent auf Lieferanten und Servicekräfte.
Rein rechnerisch betrachtet habe damit jeder Haushalt in Deutschland Waren im Wert von knapp 50 Euro im Einzelhandel mitgehen lassen, teilte EHI mit. Übertragen auf den Lebensmittel-Einzelhandel bedeute dies, dass jeder 200. Einkaufswagen ohne Bezahlung an der Supermarktkasse vorbeigeschoben worden sei. 70 Prozent der Verluste seien an der Kasse und im Verkaufsraum entstanden.
In Supermärkten würden besonders häufig kleine und teure Produkte geklaut, teilte EHI mit. Beispiele seien Tabakwaren und Spirituosen, aber auch Kosmetik, Parfüm und Rasierklingen. In Bekleidungsgeschäften bevorzugten Diebe Markenartikel, insbesondere auch Jeans, Jacken, Accessoires oder Dessous. Im Elektronikhandel ließen Langfinger oft Smartphones, CDs und DVDs, Videospiele, Druckerpatronen und Speicherkarten mitgehen.
Zusätzlich zu den 3,8 Milliarden Euro an Warenverlusten 2011 kämen jährliche Ausgaben in Höhe von 1,2 Milliarden Euro zur Vorbeugung von Diebstählen und Sicherheit hinzu, teilte EHI mit. Diese Summe von insgesamt fünf Milliarden Euro bedeute, dass jeder Kunde über den Kaufpreis mit einem Prozent an den Schäden durch Ladendiebstähle beteiligt werde. Die Ausgaben für Sicherheit flössen insbesondere in Kameratechnik und Warensicherung sowie Schulungen zur Steigerung der Aufmerksamkeit von Mitarbeitern, teilte EHI mit.
Für die Untersuchung befragte EHI 91 Unternehmen mit über 14.000 Filialen und 63 Milliarden Euro Jahresumsatz nach deren Inventurdifferenzen. Bei diesen Differenzen handelt es sich um den Unterschied zwischen dem verbuchten und dem tatsächlichen Warenbestand in den Unternehmen.

