Beirut (dapd). Syrien gibt nun offenbar doch dem Druck der Arabischen Liga nach: Das Regime von Präsident Baschar Assad hat sich nach Angaben aus Regierungskreisen grundsätzlich mit einer Beobachtermission der Staatengemeinschaft einverstanden erklärt. Einzelheiten würden aber noch geprüft, hieß es am Freitag aus Damaskus. Unterdessen ging das Blutvergießen im Land weiter, mindestens elf Demonstranten wurden getötet. Frankreich rief den UN-Sicherheitsrat zum Handeln gegen Assads Regime auf.
Angesichts der anhaltenden gewaltsamen Niederschlagung regierungskritischer Proteste in Syrien hatte die Arabische Liga das Land ausgeschlossen. Zugleich forderte sie Damaskus unter Androhung von Sanktionen ultimativ auf, die Gewalt einzustellen und eine Beobachtermission zu akzeptieren. Die Arabische Liga kündigte zunächst an, sie wolle 500 Beobachter nach Syrien entsenden. Am Freitag war jedoch nur noch von 40 Gesandten die Rede, darunter Ärzte, Aktivisten, Anwälte und Militärexperten. Ziel sei der Schutz von Zivilisten, hieß es aus Kairo.
"Syrien hat dem Vorschlag der Arabischen Liga prinzipiell zugestimmt, und wir prüfen derzeit noch die Einzelheiten", sagte ein ranghoher Regierungsvertreter am Freitag in Damaskus. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Elarabi, erklärte, er habe Änderungsvorschläge aus Damaskus erhalten, die nun geprüft würden.
Der französische Außenminister Alain Juppé sprach sich indes für ein klares Vorgehen des UN-Sicherheitsrats aus. Es sei an der Zeit für härtere Sanktionen, sagte er. Frankreich wolle mit der Arabischen Liga, der Türkei und der Opposition in Syrien zusammenarbeiten, erklärte Juppé auf einer Pressekonferenz mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu in Ankara.
Dieser sagte auf die Frage, ob eine Flugverbotszone über Syrien durchgesetzt werden sollte, es bestehe möglicherweise die Notwendigkeit, einige Maßnahmen durchsetzen, wenn die syrische Regierung weiter gegen Zivilisten vorgehe. Die ersten Schritte sollten wirtschaftlicher Art sein, doch müssten später auch andere Optionen in Betracht gezogen werden.
Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin erklärte indes russischen Nachrichtenagenturen zufolge, Russland sei gegen jeglichen Militäreinsatz und setze weiterhin auf eine diplomatische Lösung. Syrische Oppositionsführer trafen sich diese Woche mit russischen Regierungsvertretern in Moskau, lehnten jedoch russische Forderungen nach Gesprächen mit Assad ab. Auf die Frage, ob Russland eine UN-Resolution zur Verurteilung der Gewalt in Syrien unterstützen würde, erklärte Putin den Nachrichtenagenturen zufolge, die russische Haltung sei "Vorsicht und Zurückhaltung".
Ein prominenter iranischer Abgeordneter bezeichnete den Ausschluss Syriens aus der Arabischen Liga als historischen Fehler. Die Entscheidung werde weiteres Chaos in dem Land auslösen und könnte zu einem Bürgerkrieg in der gesamten Region führen, sagte Alaeddin Borudscherdi, der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Außenpolitik am Freitag. "Die beste Lösung sind die Reformen, die Baschar Assad begonnen hat", erklärte Borudscherdi in Ankara, wo er sich zu Gesprächen mit der türkischen Regierung aufhielt.
Bei der Niederschlagung der Proteste gegen Assads Herrschaft wurden bislang laut UN-Schätzungen etwa 3.500 Menschen getötet. Auch am Freitag feuerten Sicherheitskräfte wieder auf Demonstranten. Mindestens elf Menschen wurden syrischen Aktivisten zufolge erschossen.
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