Mit einem Großaufgebot an Panzern und Kampfhubschraubern hat die syrische Armee ihre angekündigte Offensive zur Rückeroberung der Stadt Aleppo begonnen. Regierungssoldaten umzingelten das von Aufständischen gehaltene Viertel Salaheddin und attackierten es mit schwerer Artillerie, wie ein AFP-Reporter aus der Stadt berichtet. Weltweit forderten Politiker aus Sorge um die Zivilbevölkerung, die Offensive sofort abzubrechen.
Die Regierungstruppen begannen um 08.00 Uhr morgens, Salaheddin und andere von den Rebellen gehaltene Viertel der Wirtschaftsmetropole anzugreifen. Schwere Artillerie ging auf die Viertel nieder, während die Soldaten am Boden vorrückten. Zwei Tage lang hatte die syrische Armee Soldaten, Panzer und schwere Waffen rund um die zweitgrößte Stadt Syriens zusammengezogen, während sich die Aufständischen mit leichten Waffen und einigen Panzerabwehrraketen wappneten.
Ein erster Angriff auf Salaheddin sei abgewehrt worden, sagte Abdel Dschabbar al-Okaidi, ein Oberst der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA), AFP. "Wir haben acht gepanzerte Fahrzeuge zerstört", sagte al-Okaidi. Rund um das Viertel habe die Armee etwa hundert Panzer auffahren lassen. An der Seite der Rebellen kämpfen zunehmend auch ausländische Dschihadisten. Eigenen Angaben zufolge stammen sie unter anderem aus Tschetschenien und Algerien.
In der Weltkulturerbe-Stadt Aleppo droht ein Häuserkampf. "Die Rebellen haben sich in den engen Gassen positioniert, was die Kämpfe erschwert", sagte ein Vertreter der syrischen Sicherheitsbehörden AFP. "Tausende Menschen fliehen vor dem Bombardement durch die Straßen. Sie werden von Helikoptern terrorisiert, die in niedriger Höhe fliegen", berichtete ein Aktivist namens Amer.
Die Gefechte um die 2,5 Millionen Einwohner zählende Stadt im Nordwesten Syriens werden von der Führung um Präsident Baschar al-Assad als womöglich vorentscheidend betrachtet. Regierungstreue Medien sprachen von der "Mutter aller Schlachten". Die Zeitung al-Watan schrieb: "Aleppo wird die letzte Schlacht der syrischen Armee sein, um die Terroristen zu schlagen."
Weltweit forderten Politiker ein sofortiges Ende der Offensive, weil sie große Verluste unter Zivilisten befürchten. "Ich bin tief besorgt über die eskalierende Gewalt in Aleppo", erklärte UN-Generalsekretär Ban. Der britische Premierminister David Cameron sagte, es gäbe "die begründete Sorge, dass das syrische Regime dabei ist, entsetzliche Taten in und um Aleppo zu begehen".
Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan forderte gemeinsame internationale Anstrengungen, um das Blutvergießen zu beenden. "Wir können keine Zuschauer oder Beobachter" bleiben, mahnte er. Frankreichs Präsident François Hollande forderte ein schnelles Eingreifen des UN-Sicherheitsrats.
Auch die russische Regierung, die sich im UN-Sicherheitsrat bislang einer Sanktionsdrohung gegen die Assad-Regierung verweigerte, warnte vor einer "Tragödie". Außenminister Sergej Lawrow sagte, Moskau versuche die syrische Führung zum Einlenken zu bewegen. Wenn allerdings die Aufständischen Städte wie Aleppo besetzten, sei es nicht realistisch, dass Damaskus dies hinnehme. Lawrow warf dem Westen vor, "gemeinsam mit einigen syrischen Nachbarn den bewaffneten Kampf gegen Damaskus zu unterstützen und zu lenken".




