Kabul (dapd). Bei einer Razzia im Osten Afghanistans haben örtliche Sicherheitskräfte und Soldaten der NATO-Truppe ISAF nach eigenen Angaben einen Anführer der radikalislamischen Taliban und einen weiteren Aufständischen getötet. Demnach ereignete sich der Vorfall in der Nacht zum Dienstag in der Provinz Laghman. Augenzeugen zufolge handelte es sich bei den beiden Getöteten nicht um Aufständische. Hunderte Menschen protestierten am Dienstag gegen den Einsatz in der Nacht. Dabei trugen sie die Leichen der beiden Getöteten und blockierten eine Straße.
Wie die NATO mitteilte, hatten die Rebellen bei der Razzia in einem Dorf das Feuer auf die Sicherheitskräfte eröffnet. Demnach war der getötete Taliban-Anführer für Bombenanschläge auf Straßen in der Provinz Laghman verantwortlich. Mehrere Aufständische wurden den Angaben zufolge festgenommen.
Ein Augenzeuge sagte hingegen, bei den Getöteten habe es sich um unbewaffnete, "unschuldige Menschen" gehandelt. Mohammed Asis Chochi, ein Angehöriger, erklärte, die Männer seien keine Aufständischen gewesen, sondern seine zwei Neffen. Sie seien von den US-Soldaten "erschossen" worden, sagte er. Überdies seien sieben Männer festgenommen worden, die überwiegend für die Regierung gearbeitet hätten.
Hunderte aufgebrachter Dorfbewohner zogen mit den Leichen der Männer aus Protest auf eine Hauptstraße, die die Hauptstadt Kabul mit der östlichen Stadt Dschalalabad verbindet. Sie drohten, die Toten erst zu bestatten, wenn die Festgenommenen freigelassen würden. Nächtliche Razzien seien nicht hinnehmbar, sagte ein Demonstrant. "Wir wollen, dass der Präsident Nacht-Razzien so schnell wie möglich beendet", sagte er.
Die USA und die Regierung in Kabul hatten im April vereinbart, dass Nacht-Razzien fortan unter der Führung der afghanischen Sicherheitskräfte stattfinden. US-Einheiten sollen demnach auf Abruf bleiben. Die afghanische Bevölkerung kritisiert, die nächtlichen Razzien würden unnötige zivile Opfer fordern und die Menschen terrorisieren.
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