Nach der Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram hat sich US-Präsident Barack Obama bei seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai entschuldigt. In einem Brief äußerte Obama sein "tiefes Bedauern" über den Vorfall. Bei neuen Protesten gegen die Koran-Verbrennung wurden fünf Demonstranten getötet, am Rande einer Demonstration tötete ein afghanischer Soldat zudem zwei NATO-Soldaten.
In dem Schreiben, das Karsai von US-Botschafter Ryan Crocker überreicht wurde, versicherte Obama, die Koran-Ausgaben seien "versehentlich" verbrannt worden, wie das Präsidentenamt in Kabul mitteilte. Die USA würden nun die "erforderlichen Schritte" unternehmen, um einen Wiederholungsfall zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Karsai machte einen US-Offizier für die Koran-Verbrennung verantwortlich. Die Aktion sei jedoch "aus Unkenntnis heraus" geschehen, und die USA hätten den Fehler eingeräumt, sagte der afghanische Präsident nach Angaben seines Büros bei einem Treffen mit Parlamentariern.
In Afghanistan wird seit drei Tagen gegen die Verbrennung der Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram demonstriert. Am Donnerstag wurden bei einer Demonstration in der Provinz Urusgan im Südosten des Landes zwei Menschen erschossen, wie ein Sprecher der Provinzregierung sagte. In der Provinz Baghlan im Westen des Landes wurde nach Angaben von Gouverneur Hadschi Mohammed Hassan ein Mensch getötet, als Demonstranten einen US-Stützpunkt angriffen.
Im Osten Afghanistans tötete ein afghanischer Soldat zudem zwei NATO-Soldaten. Der Mann in Uniform habe das Feuer auf die Soldaten eröffnet und zwei von ihnen getötet, teilte die NATO-geführte Afghanistan-Truppe ISAF mit. Zur Nationalität der Getöteten machte die ISAF keine Angaben. Ein Sprecher wollte sich auch nicht dazu äußern, ob der Vorfall mit den Protesten in Verbindung stand. "Es gab eine Demonstration in der Provinz", sagte er nur.
Nach afghanischen Angaben handelte es sich bei den Getöteten um US-Soldaten. Der Chef der Behörden im Bezirk Chogjani in der Provinz Nangarhar, Mohammed Hassad, sagte der Nachrichtenagentur AFP, der afghanische Soldat habe auf die US-Soldaten geschossen, als sich eine Gruppe von Demonstranten ihrem Stützpunkt näherte. Dann sei er "in der Menge verschwunden". Als die Soldaten zurückschossen, wurden demnach zwei Demonstranten getötet.
Die radikalislamischen Taliban hatten nach der Koran-Verbrennung zur Tötung von ausländischen Soldaten in Afghanistan aufgerufen. In einer Erklärung forderten die Islamisten, die "militärischen Stützpunkte der Invasoren, ihre Militärkonvois mutig anzugreifen" und "sie zu töten, gefangen zu nehmen, zu schlagen und ihnen eine Lektion zu erteilen, dass sie es niemals wieder wagen, den heiligen Koran zu beleidigen".


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