Kiew/Going (dapd). Tausende Oppositionsanhänger haben am 20. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine gegen die Festnahme der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko protestiert und vorgezogene Neuwahlen gefordert. An der Kundgebung am Mittwoch in der Hauptstadt Kiew nahmen mehr als 5.000 Aktivisten teil. Polizisten hielten die Demonstranten davon ab, in Richtung des Büros des ukrainischen Präsidenten zu marschieren.
Gegen Timoschenko läuft ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit einem Gasabkommen mit Russland aus dem Jahr 2009. Anfang des Monats wurde sie wegen Missachtung des Gerichts festgenommen. Die Oppositionsführerin hat die Vorwürfe zurückgewiesen und ihre Festnahme als Versuch des derzeitigen Präsidenten Viktor Janukowitsch bezeichnet, sie vor der kommenden Wahl als politische Gegnerin auszuschalten. Auch die Europäische Union und die USA haben die Inhaftierung als politisch motiviert bezeichnet.
Timoschenko rief in einer Stellungnahme aus dem Gefängnis zur Einheit der ukrainischen Opposition auf. Die derzeitigen Behörden würden noch strafrechtlich für die Verbrechen verfolgt, die sie heute begingen. In fünf Jahren würden "echte und keine politischen Häftlinge im Gefängnis sein", hieß es in einem Brief Timoschenkos, der auf ihrer Website veröffentlicht wurde. "Heute kennen wir ihre Namen."
Janukowitsch teilte in einer Erklärung mit, die Geschichte der Ukraine sei "untrennbar mit dem modernen Europa verbunden". Über Jahrhunderte hätten "die besten Söhne und Töchter der Ukraine von einem unabhängigen Land geträumt, das auf Freiheit, Menschlichkeit und Demokratie beruht. Und ihre Träume haben sich verwirklicht." Die Ukraine erklärte sich am 24. August vor 20 Jahren von der damaligen Sowjetunion für unabhängig.
Der ukrainische Boxweltmeister Vitali Klitschko äußerte sich besorgt über die Zukunft seines Heimatlandes. "Alle unsere Pläne von damals, als wir uns ein besseres Leben mit Demokratie und Freiheit wünschten, sind nicht realisiert worden", sagte der 40-Jährige am Mittwoch im österreichischen Going, wo er sich auf den WM-Kampf am 10. September in Breslau gegen den Polen Tomasz Adamek vorbereitet.
Klitschko setzt sich als Parteivorsitzender der vor eineinhalb Jahren gegründeten Partei Ukrainische Demokratische Allianz (UDAR) für einen prowestlichen Kurs und die Schaffung demokratischer Strukturen ein. "Die Politik des Präsidenten Viktor Janukowitsch führt zur Diktatur", sagte Klitschko. Seine Partei schrieb am Mittwoch deshalb einen offenen Brief an den dem Kreml nahestehenden Janukowitsch, in dem die UDAR rasche wirtschaftliche und politische Reformen forderte.
© 2011 AP. All rights reserved


1 Kommentar