Vor rund zehn Jahren entdeckten Forscher in Schottland zwei rund 3000 Jahre alte Skelette, die ihnen Rätsel aufgaben. Mehrere Jahre lang untersuchten sie die mumifizierten Überreste - und kamen nun zu einem aufsehenerregenden Ergebnis: Die beiden Skelette wurden aus Teilen von insgesamt sechs Menschen zusammengesetzt. Die Forscher können nur mutmaßen, weshalb die Menschen vor drei Jahrtausenden solche "Frankenstein-Mumien" herstellten.
Die Archäologen waren fasziniert, als sie im Jahr 2001 auf zwei Skelette, einen Mann und eine Frau, beide in Embryonalhaltung, stießen. Die Knochenfunde waren erstaunlich gut erhalten – dafür, dass die beiden Menschen vor rund 3.000 Jahren gestorben sein müssen. Bis 800 v. Chr. nämlich existierte am Ausgrabungsort Cladh Hallan auf der schottischen Insel South Uist eine Siedlung, in der die Verstorbenen nach Ansicht der Wissenschaftler lebten. Zwischen 1988 und 2002 wurden hier drei bronzezeitliche Rundhäuser ausgegraben, die zu einer Siedlung mit etwa sieben Gebäuden gehören. Neben den sterblichen Überresten eines dreijährigen Kindes und eines Mädchens im Teenageralter fanden die Forscher auch das besagte Skelett-Paar. Also führten sie Untersuchungen an den Knochen durch, die nun, zehn Jahre, später abgeschlossen sind.
Das verblüffende Ergebnis: Ein DNS-Abgleich ergab, dass die beiden Skelette aus
Teilen von insgesamt sechs verschiedenen Menschen zusammengesetzt
wurden. Und das ist noch nicht alles: Offenbar wurden die Leichenteile auf künstliche Weise konserviert, indem sie über mehrere Monate in einem Moor gelagert wurden – und zwar gerade so lange, dass zwar ihre Weichteile durch die Moorsäure gegerbt, die Knochen dabei jedoch kaum demineralisiert wurden. Anschließend wurden die Teile nach Ansicht der Experten an einem trockenen, warmen Ort aufbewahrt, damit sie bis zum Zeitpunkt ihres Begräbnisses gut erhalten blieben. Zusammengesetzt und beerdigt wurden sie erst 300 bis 600 Jahre nach dem Tod der Menschen. Nun rätseln die Wissenschaftler, was der Grund für all diese sonderbaren Details gewesen sein könnte.
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Eine einfache, etwas morbide Erklärung wäre, dass die Menschen vor 3000 Jahren fehlende Körperteile wenig zimperlich durch andere ersetzten. „Vielleicht ist der Kopf verlorengegangen und sie haben deshalb einen anderen daran befestigt“, mutmaßt Terry Brown, Leiter der Ausgrabung und Archäologie-Professor an der University of Manchester, gegenüber der Zeitschrift „National Geographic“. Doch damit wäre nicht beantwortet, warum die Leichen über Jahrhunderte mumifiziert wurden.
Für wahrscheinlicher halten Forscher deshalb eine andere, weit faszinierendere Theorie: Die beiden Skelette wurden absichtlich aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammengesetzt, um auf diese Weise ihren Stammbaum zu repräsentieren. "Die Verschmelzung der Körperteile verschiedener Vorfahren zu einem einzigen Körper könnte die Verschmelzung verschiedener Familien zu einer Ahnenreihe symbolisieren", erklärte der Archäologe Mike Parker-Person von der University of Sheffield gegenüber dem Wissenschaftsportal „LiveScience.com“. Der Grund: In Großbritannien stand das Recht auf Landbesitz um 1.500 v. Chr. in direktem Zusammenhang mit der Abstammung. Parker-Person hält es für möglich, dass die Menschen durch die Kombination der Überreste ihrer Ahnen ihren Anspruch auf Grund und Boden untermauern wollten - quasi als prähistorische Entsprechung eines Rechtsdokuments.
Die Entdeckung versetzt die Archäologen in helle Aufregung: „Alles in allem verändern diese Ergebnisse komplett unsere Vorstellungen davon, wie im prähistorischen Großbritannien mit den Toten verfahren wurde“, so Parker-Pearson. Cladh Hallan ist der einzige Fundplatz in Großbritannien, an dem prähistorische Mumien gefunden wurden. Sie zählen zu den ältesten Mumien Europas.
„Frankenstein“-Mumien in Schottland geben Forschern Rätsel auf
3000 Jahre alte Skelette aus Teilen von sechs Menschen zusammengesetzt
Yahoo! Nachrichten – Mi., 11. Jul 2012Werden Sie ein Fan von Yahoo! Nachrichten auf Facebook
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