Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat eine neue Debatte über Einsätze der Bundeswehr im Inland ausgelöst. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" warnte Friedrich zudem vor Gefahren durch Cyber-Angriffe auf die Infrastruktur von Industriestaaten. Aus der CSU gab es Drohungen, die FDP bei der zum Jahresende anstehenden Verlängerung der Antiterrorgesetze zu übergehen.
Im "Hamburger Abendblatt" sprach sich Friedrich für eine Änderung des Grundgesetzes aus, um die Bundeswehr zur Terrorabwehr im Inland einsetzen zu können. Für bestimmte Bedrohungslagen reichten die Mittel der Polizei nicht aus, sagte der Minister, "in solchen Fällen sollten wir die Möglichkeit haben, die Streitkräfte einzusetzen." Bislang sind Einsätze der Bundeswehr im Inland nur in Ausnahmefällen wie Naturkatastrophen und schweren Unglücksfällen zulässig.
Friedrich warnte in der "FAS" eindringlich vor Terrorgefahren durch "virtuelle Bomben". "Mit solchen Angriffen könnte eine Volkswirtschaft empfindlich beeinträchtigt werden", sagte der Minister. Friedrich ließ erkennen, dass er die bisherigen Bemühungen, der wachsenden Gefahr entgegenzutreten, für unzureichend hält.
Friedrich kündigte weiter an, er wolle die Ende des Jahres auslaufenden Antiterrorgesetze zum größten Teil verlängern. "Deutschland gerät "mehr und mehr ins Fadenkreuz des internationalen Terrorismus", begründete er im "Hamburger Abendblatt" seine Haltung. Zugleich drang Friedrich auf eine schnelle Lösung. Die Koalition müsse "noch vor der Sommerpause entscheiden, welche Regelung in welcher Form verlängert werden soll". Auch im Streit um die Vorratsdatenspeicherung beharrte Friedrich auf einer baldigen Regelung.
Gegen beide Vorhaben gibt es erhebliche Vorbehalte beim Koalitionspartner FDP. Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) drohte daher in der "Welt" damit, die Union könnte Antiterrorgesetze und Vorratsdatenspeicherung im Bundestag gemeinsam mit der SPD durchsetzen. Friedrich und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wollen am Dienstag über die Antiterrorgesetze verhandeln.
Aus der FDP gab es auch Widerstand gegen den Vorstoß von Friedrich zum Einsatz der Bundeswehr im Inland. "Die Bekämpfung des Terrorismus ist und bleibt polizeiliche Aufgabe", erklärte FDP-Fraktionsvize Gisela Piltz. Für eine Änderung des Grundgesetzes, um die Bundeswehr auch im Inland einsetzen zu können, stehe die FDP nicht zur Verfügung. Auch die SPD bekräftigte ihr Nein zu Bundeswehreinsätzen im Inland.


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