Nach jahrelangem Tauziehen um seine Auslieferung aus Großbritannien ist der radikale islamische Prediger Abu Hamza in den USA eingetroffen. Der 54-Jährige landete dort nach Behördenangaben gemeinsam mit zwei weiteren Terrorverdächtigen. Am Freitag hatte der Oberste Gerichtshof in London die Berufung von fünf Terrorverdächtigen gegen ihre Auslieferung abgelehnt, darunter Abu Hamza und die beiden anderen Männer.
Zwei der Verdächtigen, die Briten Babar Ahmad und Syed Talha Ahsan, mussten umgehend vor einem Bundesgericht in New Haven im Bundesstaat Connecticut erscheinen. Dort erklärten sie sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft für unschuldig. Demnach sollen sie bis zum Beginn ihrer Prozesse in Gewahrsam bleiben.
Dem 38-jährigen Informatiker Ahmad wird vorgeworfen, eine Internetseite programmiert zu haben, mit der Geld für Terrorakte gesammelt werden sollte. Er saß ohne Verurteilung bereits acht Jahre in Großbritannien in Haft. Dem 32-jährigen Ahsan wird Verschwörung zu Mord, Entführung, Körperverletzung oder Sachbeschädigung im Ausland vorgeworfen.
Abu Hamza ist in den USA in elf Punkten angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 1998 an einer Geiselnahme westlicher Touristen im Jemen beteiligt gewesen zu sein. Außerdem werden ihm die Einrichtung eines Terrorcamps im US-Bundesstaat Oregon in den Jahren 2000 und 2001 sowie die Unterstützung terroristischer Anschläge in Afghanistan in den Jahren 1999 bis 2001 zur Last gelegt.
Bei einer Verurteilung muss der mutmaßliche Terrorist mit lebenslanger Haft rechnen. Sein Fall liegt bei einem Gericht in New York, das ihn im April 2004 anklagte. Dorthin wurde er am Samstag einbestellt. Die Anklageschrift soll ihm bei einem Termin am Dienstag verlesen werden. Abu Hamza wurde in Ägypten geboren und zog Ende der 70er Jahre nach Großbritannien.
Der einäugige Imam, bei dem ein Haken die rechte Hand ersetzt, predigte oft in der Moschee von Finsbury Park im Norden von London. Die Verletzungen hatte er sich zugezogen, als er in Afghanistan im sogenannten Heiligen Krieg gegen die sowjetischen Besatzer kämpfte. In Großbritannien saß er wegen Aufrufs zu Rassenhass und Mordanschlägen in Haft.
Ebenfalls ausgeliefert wurden am Samstag der 52-jährige Ägypter Adel Abdul Bary und der 50-jährige Saudiaraber Khaled Al-Fawwaz. Sie sollen an Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenias Hauptstadt Nairobi und im tansanischen Daressalam beteiligt gewesen sein, bei denen 1998 mehr als 220 Menschen starben. Gegen die beiden Männer wird ebenfalls in New York verhandelt.
Die britische Innenministerin Theresa May bedauerte, dass das Auslieferungsverfahren sich so viele Jahre hinzog. In der betreffenden Gesetzgebung seien "Änderungen nötig", sagte sie der BBC.


