Mysteriöser Todesfall: Eine 17-jährige Berlinerin wurde Ende Juni im US-Staat Texas mit einer Kugel im Kopf gefunden. Erste Medienberichte hatten sie als unschuldiges Opfer dargestellt, das zwei Einbrecher auf frischer Tat ertappte und von ihnen ermordet wurde. Doch der nun veröffentlichte Polizeibericht zeichnet ein ganz anderes Bild: Nicht nur soll Claudia H. demnach in die Serie von Einbrüchen involviert gewesen sein - sie war möglicherweise sogar die Anführerin der Gang. Zeugen berichten, die Deutsche sei eine ausgebuffte Kriminelle gewesen.
Der Hausbesitzer fand H. am Abend des 28. Juni – laut dem Lokalblatt „Star-Telegram“ lag ihre Leiche mit einer Kugel im Hinterkopf an der Hintertür eines wohlhabenden Familienhauses im texanischen Fort Worth. Die 17-Jährige war vor einem Jahr von Berlin nach Texas gezogen um hier bei ihrer Schwester und einer Pflegefamilie zu leben. Ihrer Schwester Samira zufolge war H. „großherzig und schön“ – die Berlinerin wollte Schauspielerin werden. Kriminelle Energie vermutete niemand bei ihr.
Doch jetzt besteht die Möglichkeit, dass alle gründlich falsch lagen – die Polizei geht offenbar bei H. nun von einer mit allen Wassern gewaschenen Kriminellen aus. Denn erste Vermutungen, sie habe in dem wohlhabenden Viertel zwei Einbrecher erwischt und sei von ihnen getötet worden, bestätigten sich nicht. Eher das Gegenteil kam ans Licht. Wie die Polizei aus Zeugenaussagen rekonstruierte, sei es nun vielmehr wahrscheinlich, dass H. nicht nur aktiv an den Einbrüchen teilgenommen hatte, sondern sie auch angeführt hatte.
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Laut „Fox 4 Dallas“ geht die Polizei nun davon aus, dass das Mädchen an jenem Tag versucht hatte, einen gleichaltrigen Teenager als Fahrer für den Einbruch zu gewinnen. Als Lohn versprach sie ihm die Hälfte der Beute und eine Waffe. Der Teenager hatte jedoch abgelehnt. Später habe sie zwei junge Männer für die Tat rekrutiert und sei mit den beiden Komplizen – dem 21-jährigen Terrance Crumley und dem gleichaltrigen Curtis Fortenberry – zu dem Haus gefahren, wo das Schicksal seinen Lauf nahm. Zunächst traten sie die Tür ein. Ein Nachbar hatte mitbekommen, dass irgendetwas passiert war, handelte aber nicht. "Wenn ich derartigen Lärm höre, vermute ich in dieser Nachbarschaft erstmal keine Pistolenschüsse", sagte er "Fox 4 Dallas".
Dem Besitzer des Hauses war H. wohl keine Unbekannte. Wie Zeugen berichtet hatten, habe sie ihm einige Zeit vor der Tat eine Waffe für 100 US-Dollar verkauft - und bei der Gelegenheit wohl herausgefunden, dass es Geld und Drogen in dem Haus gibt. Um ihren Freund aus dem Gefängnis zu holen, war sie laut dem Bericht wenige Tage später wiedergekommen, um sich weitere 600 US-Dollar zu leihen. Der Mann habe abgelehnt. Wie gut sich die beiden kannten, bleibt unklar. Der Mann stellte im Laufe der Ermittlungen die Kommunikation mit der Polizei ein – er sei allerdings kein Verdächtiger in dem Fall, sagte eine Polizeisprecherin dem „Star-Telegram“. H. habe aber an jenem Tag mehrere Male auf seinem Handy angerufen.
Das inszenierte Geiseldrama ging schief
Zwar war der Hausbesitzer während des Einbruchs nicht zuhause, einige andere Personen aber schon. Das Einbrechertrio hatte die Anwesenden konfrontiert und ihnen offenbar vorgespielt, dass sich H. in der Gewalt von Crumley und Fortenberry befand. Sie wollten Geld und Drogen erpressen. Das falsche Geiseldrama wurde allerdings durchschaut. Einer der Männer in dem Haus hatte offenbar eine Waffe, und als Fortenberry aggressiv wurde, kam es zum Schusswechsel. Fortenberry wurde in beide Beine getroffen und H. in den Kopf. Als die 17-Jährige plötzlich tot zusammenbrach, flohen alle Beteiligten. Wie Fortenberry der Polizei mitteilte, vermutet er, dass eine seiner Schüsse H. getroffen haben muss.
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Die beiden Komplizen sind in Haft – beide haben eine kriminelle Karriere hinter sich. Crumley stellte sich der Polizei wenige Tage nach der Tat, Fortenberry saß bereits wegen anderer Delikte. Auf Facebook wird nun über H. Vermächtnis gestritten – alte Freunde von ihr haben eine Seite angelegt, auf der sie um das Mädchen trauern. „Nie hätte sie jemandem etwas zu Leide getan“, sagt dort einer. „Wir vermissen Dich“, schreibt eine Andere. Die Reaktion folgte prompt: Auf einer andere Seite behaupten Facebook-User, die Deutsche habe bekommen, was sie verdient.
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