Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat in einem offenen Brief Präsident Viktor Janukowitsch vorgeworfen, sie heimlich in ihrem Krankenhauszimmer filmen zu lassen. Versteckte Kameras würden sie sogar in der Dusche, auf der Toilette und vor ärztlichen Untersuchungen in der Umkleide aufzeichnen, las Timoschenkos Anwalt Sergej Wlassenko aus dem an den Staatschef adressierten Brief vor. Die Politikerin deutete an, Janukowitsch würde die Aufnahmen regelmäßig anschauen.
Sie lehne eine weitere Behandlung im Krankenhaus ab und wolle zurück ins Gefängnis, schrieb Timoschenko. Vor kurzem war auf der Internetplattform YouTube ein Video erschienen, das eine Timoschenko ähnelnde Frau mit Rollator im Krankenhauszimmer und bei der Sportgymnastik zeigt. Die Politikerin bestätigte in ihrem Brief, dass es sich um Aufnahmen von ihr handele. Die Gefängnisbehörde erklärte hierzu, es gebe lediglich eine Echtzeitüberwachung, es würden aber keine Aufzeichnungen gemacht. Der Urheber der Veröffentlichung solle ermittelt werden.
Timoschenko sitzt derzeit wegen Amtsmissbrauchs während ihrer Zeit als Ministerpräsidentin eine siebenjährige Haftstrafe ab. Das Urteil war international als politisch motiviert kritisiert worden. Ende August hatte das oberste ukrainische Berufungsgericht das Urteil gegen sie bestätigt. Timoschenko wird in einem Militärkrankenhaus der ostukrainischen Stadt Charkiw wegen eines Bandscheibenvorfalls behandelt.


