Berlin (dapd). Die Grünen wollen sich aus Spekulationen über einen möglichen Nachfolger für Bundespräsident Christian Wulff heraushalten. Seine Partei wäre jedoch wie schon 2010 erneut bereit, einen Kandidaten mit aufzustellen, der über Parteigrenzen hinweg Unterstützung finden könnte, sagte Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. "Wenn man das machen will, dann verbietet sich jede Spekulation über Namen." Das gelte auch für die Frage nach einer erneuten Kandidatur des Bürgerrechtlers Joachim Gauck, den SPD und Grüne bei der jüngsten Präsidentenwahl gegen Wulff ins Rennen geschickt hatten.
Angesichts der Affäre um seinen umstrittenen Privatkredit steht Wulff seit Wochen unter Druck. Längst wird debattiert, wer das Amt übernehmen könnte, falls Wulff vorzeitig abtreten sollte.
"Wir haben der Kanzlerin schon beim letzten Mal angeboten, einen parteiübergreifend getragenen Kandidaten zu suchen", sagte Trittin. Angela Merkel habe das damals aber abgelehnt, "weil sie einen Parteimann durchsetzen wollte". Das habe die CDU-Chefin 2010 geschafft. Angesichts der veränderten Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung werde ihr dies aber nicht noch einmal gelingen.
Die Auseinandersetzung zwischen Wulff und der "Bild"-Zeitung bezeichnete Trittin als klassischen Beziehungsstreit. Wenn eine zuvor symbiotische Beziehung zu Bruch gehe, schlage dies eben in Hass um. Eine Veröffentlichung von Wulffs Nachricht auf der Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann sei kaum mehr nötig. Schließlich seien die entscheidenden Passagen längst in der Presse nachzulesen gewesen.
Der Fraktionsvorsitzende verlangte von Wulff jedoch ernsthafte Aufklärung über die Details seines Kredits. "Es ist an der Zeit, für Transparenz und Klarheit zu sorgen und alle Fakten auf den Tisch zu legen. Nur das kann der Glaubwürdigkeit des Amtes gerecht werden", sagte der Grünen-Politiker. "Der Bundespräsident hätte gut daran getan, die Dinge sehr frühzeitig von sich aus zu offenbaren", sagte Trittin. Auch in seiner Zeit als Ministerpräsident in Niedersachsen hätte Wulff die Fragen zu seinem umstrittenen Hauskredit "wahrheitsgemäß und nicht schlitzohrig" beantworten sollen. "All dies hätte ihm wahrscheinlich viel Ungemach erspart", sagte Trittin.
dapd


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