Berlin (dapd). Die Einschaltquoten von Fernsehsendungen sollen bald auch an PC gemessen werden. "Für 2013 sollen erstmalig auch da Zahlen ausgewiesen werden", sagte der Sprecher der Technischen Kommission der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), Matthias Wagner, der dapd Nachrichtenagentur. Neu erfasst wird demnach, wie viele online die Angebote der Fernsehsender ansehen und wie lange sie dranbleiben - sowohl beim Live-Stream als auch in Mediatheken. Die AGF sei derzeit mit Dienstleistern im Gespräch, sagte Wagner. Nach seinen Angaben wird eine Entscheidung bis Sommer erwartet.
In der AGF sind ARD, ZDF, die Mediengruppe RTL Deutschland und ProSiebenSat.1 Media AG zusammengeschlossen. Sie nennt die Quotenmessung die "TV-Währung", weil sie Grundlage für die Programmplanung und Vermarktung (Verkauf von Werbezeiten) ist.
Seit 1988 hat die AGF die GfK Fernsehforschung in Nürnberg damit beauftragt, die Quoten zu ermitteln. Wenn ein Zuschauer in repräsentativ ausgewählten 5.100 Haushalten sein TV-Gerät einschaltet, werden die Daten mit der Fernbedienung und dem Messgerät am Fernseher sekundengenau erfasst und in der folgenden Nacht von der GfK per Telefon/Modem abgerufen.
In diesem Mess-System entstehen mit Neuerungen der TV-Technologie Lücken. Die letzte Neuerung bei der Quotenmessung wurde 2009 eingeführt. Das neue Messgerät "TC score" erfasst auch die Zuschauer, die zeitversetzt oder außer Haus über digitale Aufzeichnung auf Festplatten- und DVD-Recorder eine Sendung abrufen. Durch ein weiteres neues Messmodul ("UMX") werden ab dem 1. Juli 2012 auch erstmalig Haushalte mit IPTV-Anschluss messbar sein, wie Wagner erklärte.
2011 haben laut ARD/ZDF-Onlinestudie rund 19 Millionen Menschen zumindest gelegentlich Fernsehinhalte im Internet geschaut, vier Millionen mehr als 2010. Online-Quoten werden auch schon gemessen, wie Wagner erklärte. "Wir wissen durch unsere eigenen Server, wie viele eine Sendung abrufen." Die Fernsehsender müssten gewährleisten, dass systematisch nach einem einheitlichen Standard gemessen werden kann, betonte der Sprecher.
Erwogen wird, dafür ein gesondertes, deutlich größeres Panel (neben dem bisherigen Panel mit 5.100 Zuschauern) zu schaffen. Bei diesen ausgewählten Zuschauern würde ein Mess-Pixel ins Empfangsgerät eingebaut. In der nächsten Ausbaustufe soll bei der Erfassung des TV-Konsums nach Alter und Geschlecht differenziert werden. "Bis Ende 2014 sollte das System in voller Ausbaustufe stehen", sagte Wagner. Geplant ist die Zusammenführung beider Panels.
Ab 2015 stünde nach Wagners Angaben die Einbeziehung mobiler Empfangsgeräte in die Quotenmessung an. "Wir wissen noch überhaupt nicht, was für ein Forschungsbudget vonnöten wäre", erklärte der Sprecher der Technischen Kommission.
dapd


