Die syrische Armee schlägt nach dem Beginn der Rebellen-Offensive in der Hauptstadt Damaskus mit aller Härte zurück. Nach heftigen Gefechten gewannen die Regierungstruppen die Kontrolle über das Viertel Midan wieder. Der UN-Sicherheitsrat beschloss eine Verlängerung der Beobachtermission um 30 Tage, westlichen Diplomaten zufolge geht es aber nur noch um deren Rückzug aus Syrien.
Ein AFP-Reporter sah in Midan zerschossene Gebäude, geplünderte Läden und Munitionsreste auf der Straße. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder gefesselter Kämpfer und beschlagnahmter Waffen. Die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London erklärte, die Armee sei mit Panzern in das Viertel vorgedrungen. Das im Osten gelegene Viertel Kabun sei mit 15 Panzern angegriffen worden.
Laut den Rebellen wurde der Stadtteil Dschobar mit Artillerie und Mörsern beschossen. Auch aus weiteren Vierteln wurden heftige Gefechte gemeldet. Ein Vertreter der Sicherheitskräfte sagte, die Armee habe am Donnerstag eine Generaloffensive in Damaskus gestartet, um die Kontrolle über die Viertel zurückzugewinnen, in die sich "Terroristen eingeschleust haben". Die Beobachtungsstelle berichtete zudem von heftigen Kämpfen in Aleppo im Norden Syriens, den ersten dieser Art in der wirtschaftlich bedeutendsten Stadt des Landes.
Der Donnerstag war nach Angaben der Beobachtungsstelle mit landesweit mehr als 300 Toten der blutigste Tag seit Beginn des Aufstands gegen Staatschef Baschar al-Assad im März 2011. Am Freitag wurden demnach mindestens 128 Menschen getötet. Laut dem UN-Flüchtlingskommissariat flohen während der vergangenen 48 Stunden bis zu 30.000 Syrer in den Libanon.
Das Votum des UN-Sicherheitsrats für eine Verlängerung der Mission der 30 UN-Beobachter kam wenige Stunden vor dem Auslaufen des bisherigen Mandats. Es fiel einstimmig aus, auch Russland stimmte trotz einer Veto-Drohung mit Ja. Allerdings wurde die Mandatsverlängerung unterschiedlich interpretiert. In der Resolution ist von einer "letzten Periode" von 30 Tagen die Rede, die aber verlängert werden kann, wenn die syrische Armee ihre schweren Waffen abzieht und sich die Sicherheitslage deutlich verbessert.
Die US-Botschafterin bei der UNO, Susan Rice, sagte, eine Verbesserung der Lage sei "unwahrscheinlich". Die Mandatsverlängerung diene dazu, der Beobachtermission einen "sicheren und geordneten Rückzug" zu ermöglichen. Ihr russischer Kollege Witali Tschurkin betonte dagegen, es handle sich "nicht um eine Resolution für einen Abzug, sondern um eine Resolution für eine Fortsetzung der Mission". Angesichts der eskalierenden Gewalt hatte die Mission ihre Aktivitäten ohnehin bereits Mitte Juni größtenteils eingestellt.




