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    Unbehagen über Energiewende

    Köln (dapd). Die von der Regierung beschlossene Kehrtwende in der Atompolitik treibt Industrie und Experten um. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) betonte am Dienstag, der Industriestandort Deutschland sei auf eine berechenbare Energiepolitik angewiesen. Die Deutsche Energieagentur (Dena) zog die Atomausstiegspläne der Bundesregierung in Zweifel. Auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner ging auf Distanz zu dem von seiner Partei mitbeschlossenen Konzept.

    Das Bundeskabinett hatte am Montag den stufenweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 beschlossen. DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann sagte, mit den Beschlüssen zum Ausstieg aus der Kernenergie und zur Laufzeitverlängerung hätten verschiedene Bundesregierungen tief in den Energiemarkt eingegriffen. "Da werden schnell die Rahmenbedingungen in anderen Staaten als verlässlicher empfunden. Hier muss die Politik Glaubwürdigkeit zurückgewinnen", sagte Driftmann.

    Lindner sagte, der Atomausstieg sei nicht FDP-Politik pur. "Es gibt eine ganze Reihe von nicht marktwirtschaftlichen Instrumenten, die wir hier aus Gründen der Koalitionsräson akzeptieren mussten", sagte er. "Wir sind uns nicht sicher, ob es nicht zu Entschädigungszahlungen kommen wird. Wir hätten vielleicht Vorsorge getroffen. Aber seitens der Union wurde gesagt, das sei nicht erforderlich." Sie trage nun auch die Verantwortung. In der FDP-Bundestagsfraktion seien noch fünf Abgeordnete unentschieden, ob sie den Gesetzen zustimmen wollten.

    Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler sagte: "Die nächsten Atomkraftwerke werden bereits 2015 abgeschaltet." Insbesondere in Süddeutschland würden neue Gas- und Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 10.000 Megawatt benötigt. "Wenn wir dieses Ziel nicht erreichen, werden wir es mit Stromengpässen zu tun haben", sagte er. Die Dena-Experten rechneten damit, dass Milliarden-Investitionen für den Ausbau erneuerbarer Energieträger, für neue Stromleitungen und zusätzliche Kraftwerke fällig werden. "Die Energiewende hat ihren Preis - auch für die Verbraucher", sagte Kohler. Die Dena gehört zur Hälfte dem Bund, zur anderen Hälfte der staatlichen KfW, der Allianz, der Deutschen Bank und der DZ Bank.

    Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) warb für einen parteiübergreifenden Konsens zum Atomausstieg bis 2022. "Jedes Konzept, das mehrere Jahrzehnte Planungszeitraum umfasst, karikiert sich selbst, wenn es nur auf der parlamentarischen Mehrheit einer Legislaturperiode beruht", sagte er. Die Gesetze bis zum 8. Juli durch Bundestag und Bundesrat zu bringen, sei ehrgeizig, aber machbar. Wegen der Konsequenzen für alle Beteiligten in technischer und finanzieller Hinsicht könne man diese Frage nicht monatelang in der Schwebe lassen.

    Dagegen sagte Driftmann: "Ich habe Zweifel, ob die Eile des Gesetzgebungsverfahrens der Sache dient." Viele Fragen seien nicht ausreichend beantwortet. Durch jetzt nach Expertenmeinung drohende höhere Energiekosten seien besonders energieintensive Industrieunternehmen wie Kunststofferzeuger, Chemie und Zementhersteller gefährdet. "Daran hängen hierzulande unmittelbar rund eine Million Arbeitsplätze", sagte Driftmann. Die Erzeugerpreise seien seit Beginn des Moratoriums für die Atomkraftwerk im März bereits um 14 Prozent gestiegen. "Wenn man bedenkt, dass ein hoher Prozentsatz der Stromkosten Steuern und Abgaben sind, dann ist der Staat gefordert, diesen Anteil entsprechend zu senken", forderte Driftmann.

    Der Deutsche Bauernverband witterte eine neue Einnahmequelle. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner forderte höhere Entschädigungen für Flächen, die sie im Zuge der Energiewende für neue Strommasten und Hochspannungsleitungen bereitstellen sollen. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Landwirte weiterhin auf billigste Art und Weise Land opfern sollen", sagte er. Bisher erhielten die Bauern nur einmalig 10 bis 20 Prozent des Grundstückswertes der betroffenen Flächen. "Künftig wollen wir eine Entschädigung in Höhe des Verkehrswertes der Wege- und Leitungsrechte - und zwar wiederkehrend", sagte Sonnleitner.

    dapd

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    6 Kommentare

    • Hubba Bubba  •  vor 11 Monaten
      ...den ehwig Gestrigen empfehle ich sich eine schöne und derzeit (so die nächsten 24.000 Jahre) sicher preiswerte Immobilie in oder um Fukushima zuzulegen...!
      • Alexander2 vor 11 Monaten
        und noch einmal weil Sie es sind... Das Unglück in Fukushima ist passiert, weil ein 12-13 m hohe und ziemlich schnelle Tsunamiwelle in das Atomkraftwerk gerast ist und dort zu erheblichen Schäden führte. Vorausgegangen ist ein Erdbeben der Stärke 9 Komma irgendwas.
        Bedingt dadurch kam es zum Ausfall der Kühlsystem und diverser Nebenaggregate. Durch den Einsatz von Seewasser kam es durch die Verdampfung zur Krustenbildung und damit zu einer Minderung der Wärmeabfuhr, was zur Folge hatte, dass es zum Schmelzen der Brennstäbe gekommen.
        Hinsichtlich der Reaktionen des Betreibers TEPCO gibt es viele Meinungen, unteradnerem auch eine der internationalen Atomenergiebehörde, die TEPCO bescheinigt richtig gehandelt zu haben. Dies ist in meinen Augen falsch, denn TEPCO hat nicht richtig und folgerichtig gehandelt, sondern versuchte dies herunterzuspielen.
        Der eigentliche Auslöser dieser Katastrophe war jedoch ein Tsunami.
        Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern wann der letzte Tsunami durch Deutschland gelaufen ist.

        Und bezüglich Ihrer Empfehlung möchte ich sagen, dass diese sehr geschmacklos ist.
      • Mao Tse Tung vor 11 Monaten
        Wieder ein "fundierter" Vorschlag eines wirtschaftlich ahnungslosen Ökofreundes:

        Ich brauche nur abzuwarten, denn es wird nicht lange dauern, bis man in D Immobilien zu Schleuderpreisen bekommt, weil deren Eigentümer die Hypotheken oder laufenden Kosten nicht bezahlen können. Denn sie haben leider ihren Job verloren, weil die Firma wegen der unbezahlbaren Strompreise den Standort ins Ausland verlagert hat oder wegen häufiger Stromausfälle nicht produzieren kann und pleite gegangen ist.

        Oder weil die Eigentümer wegen der ständigen Gängelei und Bevormundung durch die hellbraunen Ökofaschisten entnervt aufgeben und auswandern.
      • Alexander2 vor 11 Monaten
        @ Mao:
        Ich habe Angst vor dieser Zukunft, weil ich glaube dass es genau darauf hinauslaufen wird. Leider.
    • Mao Tse Tung  •  vor 11 Monaten
      Man darf sich da keinen Illusionen hingeben. Die kollektive Besoffenheit, von der die Deutschen befallen sind, wird erst ihrem Ende entgegengehen, wenn die Leute die Folgen spüren, die eintreten, wenn man die Gesetze der Physik und der Ökonomie ignoriert. Wenn sie frierend und arbeitslos im Dunkeln sitzen und die Industrie ins europäische Ausland abgewandert ist. Wenn es in D nur noch Transferempfänger und Umverteiler gibt, aber niemanden, der Geld erwirtschaftet.

      Und weil die überwältigende Mehrheit unsere hellbraunen Ökofreunde mit dem Begriff "Freiheit" nichts anfangen kann, weil Marktwirtschaft für sie ein Buch mit sieben Siegeln ist, werden sie lange brauchen, um überhaupt zu kapieren...

      Einstweilen befindet sich D auf dem Weg in eine Öko-Diktatur und in die Armut.

      Die klarsichtigen Deutschen müssen sich so fühlen wie die wenigen klugen Leute im Zeitalter der Hexenverbrennung. Oder im Frühjahr 1933, als überall die SA-Kolonnen marschierten wie heute die Demos hellbrauner Ökofreunde, und ein kollektiver Rausch die Deutschen erfaßte.
      • Alexander2 vor 11 Monaten
        Ist zwar ziemlich harter Tobak, doch irgendwie stimmt das ganze.
        Halt die traurige Wahrheit.

        Daumen hoch
    • Subramanyam  •  vor 11 Monaten
      Jeder sieht das was er sehen will. Und die eingefahrenen Strukturen geben die Sichtweise vor. Nachdem Energien immer Zentralistisch von Konzernen mit Milliardengewinnen Jährlich angeboten werden ist es ja sowas von einfach sich nur einfach einzukaufen.

      Kein Mensch denkt daran sich zu dezentralisieren und sein eigenes Energiezentrum aufs Dach zu machen und damit autark zu werden. Die Technik ist da aber wird nur nicht veröffentlicht. Im Ausland z.B. in China werden solche Hochhäuser gebaut, die keinerlei zusätliche Strom von Außen benötigen. Neuartige Turbinen usw. Für jedes Haus möglich und ohne Geräusch.

      Aber wes Brot ich ess des Lied ich sing.
      • Alexander2 vor 11 Monaten
        Sie haben Kanada vergessen. Ich glaub es ist Vancuver. Die Stadt wird wohl in nächster Zeit alles an Energie aus "grüner" Energie gewinnen.
        Ich find das toll.

        Nur @#$% ich das genauer zu überlegen, wie lange die jetzt schon daran arbeiten. Jahrzehnte! Und was macht man in Deutschland? Beschließt in 10 Jahren komplett auf eine Art der Energieerzeugung auszusteigen ohne Alternativen zu haben.
        Das ist in meinen Augen sehr sehr gefährlich.

        Hinsichtlich Dezentralisierung gebe ich Ihnen uneingeschränkt recht, doch nicht jeder kann sich eine solche Anlage leisten. Photovoltaikmodule und Solarkollektoren kosten trotz Subvensionen UNsummen an Geld, um den durchschnittlichen Verbrauch eines Einfamilienhauses zu decken. ZUsätzlich kann mann Holzscheit- oder Holzpelletsverbrennungen installieren, die ebenfalls Wärme und Elektrizität liefern.
        Doch nicht in 10 Jahren! Vielleicht ist es tatsächlich in 50 Jahren soweit, dass wir einen Großteil abdecken können (in 50 Jahren wird der erste kommerzielle Fusionsreaktor ans Netz gehen), doch in der Zwischenzeit brauchen wir Alternativen und keinen beschleunigten Atomausstieg.

        Und zum Thema wes Brot ich ess, wenn dem so wäre, müsste ich ein gnadenloser Verfechter der Grünen Politik sein.
    • Alexander2  •  vor 11 Monaten
      Der Ausstieg ist leider beschlossen. Es sollten alle Anstrengunegen unternommen werden, ihn wirder rückgängig zu machen.

      Die regierung ist in meinen Augen nichts mehr wert. Überhaupt nichts mehr. Solch einen Ausstieg innerhalb dieser Zeitspanne zu planen ist Wahnsinn. Es gibt noch keine wirklichen Ideen für Alternativen. Mal schnell neue Kohlekraftwerke bauen oder Gaskraftwerke hinzaubern ist nicht so einfach. Denkt mal über die Zeitdauer der Planung für ein Kraftwerk nach. Dazu kommen noch die ganzen Verkehrsanbindungen, Abtransport der Aschen und Rückstände, Rauchgasreinigungsanlagen, und und und. Da sind 5 Jahre noch schnell. Und wir in Deutschland wollen in 10 Jahren fertig sein? Wieviele neue Kraftwerke brauchen wir denn? Überlegt hat sich das keiner. Und die sogenannte Experten-Ethik-Kommision hat nur der Regierung nach dem Mund geredet. Es ist doch so, dass sich derjenige, der für eine Studie bezahlt, auch genau die Studie bekommt, die seinem Konzept passt.

      Dann werden Flächen wieder zugebaut, die eigentlich für Landwirtschaft oder Erholung dienen könnten und derzeit vermutlich genutzt werden.

      Jedes Unternehmen, dass einen solchen Quatsch veranstaltet, geht jämmerlich baden. Jedoch je größer das Unternehmen ist, desto mehr Blödsinn kann es verzapfen und wenn dieses Unternehmen auch noch eine Regierung ist, dann wird sie für den Blödsinn auch noch über den grünen Klee gelobt. Getreu dem Motto, wenn du 2000 Euro klaust, machen sie dir das Leben zur Hölle, Klaust du 200 MIllionen Euro, lebst du von den Zinsen deines Buches in eitel Sonnenschein.

      Ohne wirkliche Alternativen einen solchen Schwachsinn zu verzapfen ist in meinen Augen der reinste Wahnsinn. Bezahlen werden wir alle, für die Entscheidung weniger, die nichts anderes sind als Wendehälse und die sich, was Strom- und Spritpreise angeht, über nichts eine Waffel machen müssen.

      All den sogenannten Atomkraftgegener sage ich, dass ihr die ersten sein werdet, die sich über die höhere Strompreise aufregen werdet.
    • Charlie  •  vor 11 Monaten
      Tja, Herr Fink, so einfach ist das eben nicht. Gas wird zum größten Teil aus Russland importiert und wenn es Herrn Puttin und Konsorten gefällt an den Gashähnen oder am Preis zu drehen, sind wir den Russen noch mehr als bisher ausgeliefert.
      Man hat ein vorhersehbares Chaos in der Energiepolitik und Versorgung beschlossen, ohne jede realistische Alternative - und der Verbraucher muss und wird es bezahlen.
      Wenn die künstlich geschürte "Atomhysterie" abgeklungen ist und kräftig in des Verbrauchers Tasche gegriffen wird, wird man sich wünschen, diesen ökonomischen Unsinn nie gemacht zu haben. Aber dieser Prozeß ist unumkehrbar, wenn er einmal in Gang gesetzt ist.
    • Hubert Fink  •  vor 11 Monaten
      Hört endlich auf ständig negative Meldungen zu verbreiten. Der Ausstieg ist beschlossen. Pakt endlich an und macht die Wende. Es wird doch wohl möglich sein in 10 Jahren eine Alternative aufzubauen. Stellt neben jeden Atommeiler ein modernes Gaskraftwerk. Die restliche Infastruktur ist vorhanden.