Für den Fall einer Regulierung der Kraftstoffpreise an Tankstellen könnten einer Studie zufolge kleinere Anbieter vom Markt gedrängt werden. Die sogenannten freien Tankstellen hätten anders als die der großen Mineralölkonzerne nicht die Ausrüstung, um ihr Angebot bei zeitlichen Beschränkungen für Preisveränderungen optimal steuern zu können, zitierte die Zeitung "Die Welt" (Dienstagsausgabe) aus einer Untersuchung der Unternehmensberatung Simon Kucher.
Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte im Mai beschlossen, dass Tankstellen ihre Preise für Benzin und Diesel an eine sogenannte Transparenzstelle beim Bundeskartellamt melden sollen. So soll die Preisentwicklung kontrolliert und Missbrauch von Marktmacht vermieden werden. Das Gesetz muss noch vom Parlament verabschiedet werden. Eine Regulierung der Tankstellenpreise - also staatliche Vorgaben an die Verkäufer - ist bislang nicht vorgesehen. Die Idee war aber im Zusammenhang mit der Entscheidung für die Transparenzstelle diskutiert worden.
Als Vorbild für ein solches Modell war auf entsprechende Regelungen etwa in Österreich verwiesen worden. Dort gibt es eine sogenannte Schwankungsbremse, nach der Tankstellen ihre Kraftstoffpreise nur einmal am Tag erhöhen dürfen.
Ein solches System würde nach Einschätzung der Unternehmensberatung aber die großen Unternehmen bevorzugen, die mittels ausgeklügelter Computer- und Netzwerktechnik "dynamische Preismechanismen" exakt kalkulieren und regionale Preise an spezifische Nachfrageentwicklungen anpassen könnten. Dieses Prinzip praktizierten inzwischen auch Hotels und Fluggesellschaften, deren Preise für ihre Zimmer oder Tickets je nach Marktlage stark schwanken könnten. Für freie Tankstellen aber sei der Aufbau eines solchen Systems viel zu teuer, deshalb würde eine solche Regulierung die Konzentration am Markt mutmaßlich verstärken.
Branchenverbände warnen seit längerem vor den Folgen einer etwaigen Einführung einer solchen Schwankungsbremse. Das könnten den freien Tankstellenmittelstand in den Ruin treiben, hatte die Mittelständische Energiewirtschaft (MEW) schon vor längerer Zeit erklärt. Der Automobilclub ADAC hatte die Idee verworfen, weil sie seiner Meinung nach nicht zu niedrigeren Kraftstoffpreisen führt.

