Ungeachtet weltweiter Gnadenappelle ist der wegen Mordes verurteilte Afroamerikaner Troy Davis hingerichtet worden. Der 42-Jährige wurde am Mittwochabend um 23.08 Uhr Ortszeit (Donnerstag, 05.08 Uhr MESZ) in einem Gefängnis in Jackson im US-Bundesstaat Georgia mit einer Giftspritze getötet, wie die Gefängnisverwaltung mitteilte. Zuvor hatte das Oberste Gericht der USA einen Antrag auf den Stopp der Hinrichtung abgelehnt. Die Europäische Union "bedauert zutiefst" die Hinrichtung von Davis in den USA.
Die Verteidiger hatten sich zunächst an die Justiz in Georgia gewandt, um unter Verweis auf neue Beweise zur Entlastung ihres Mandanten den Stopp der Hinrichtung zu erreichen. Nachdem die Gerichte den Antrag abwiesen, riefen die Verteidiger den Supreme Court in Washington an - weniger als anderthalb Stunden vor der für 19.00 Uhr (Ortszeit) geplanten Hinrichtung. Das Gefängnis wartete die Entscheidung der neun Richter ab, die den Antrag gegen 22.30 Uhr schließlich ebenfalls abwiesen.
Nach Angaben von Augenzeugen beteuerte Davis noch kurz vor seinem Tod seine Unschuld. Der Mord an dem Polizisten Mark MacPhail 1989 "war nicht meine Schuld, ich hatte keine Waffe", sagte er laut einer Journalistin.
Die EU habe mehrfach gefordert, die Todesstrafe angesichts "ernster und überwältigender Zweifel" an dem Schuldspruch des 42-Jährigen nicht zu vollstrecken, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. Die Europäische Union lehne die Todesstrafe ab und fordere einen weltweiten Hinrichtungsstopp, um eine Abschaffung zu erreichen.
Auch Frankreich bedauerte die Hinrichtung des Gefangenen. Zwei Drittel aller Staaten weltweit verzichteten mittlerweile auf diese Art der Strafe, erklärte das französische Außenamt. Der Fall Davis mache deutlich, "dass der Kampf für die weltweite und endgültige Abschaffung der Todesstrafe weitergeführt werden muss".
Davis war 1991 wegen der Erschießung des 27-jährigen weißen Polizisten und Familienvaters zum Tode verurteilt worden. Sein Fall gilt als einer der umstrittensten Justizfälle der USA. Eine Tatwaffe, DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die auf ihn als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Sieben von neun Zeugen, die ihn als Täter genannt hatten, zogen ihre Aussagen zurück. Einige von ihnen sagten, sie seien von Polizisten zu den Aussagen gezwungen worden.


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