WAS IHRE FREUNDE LESEN

    US-Ratingagentur Fitch wertet JPMorgan ab

    New York (dapd). Die Milliardenverluste der US-Großbank JPMorgan Chase durch Fehlspekulationen haben das Vertrauen der Finanzmärkte schwer erschüttert. Die US-Ratingagentur Fitch senkte die Kreditwürdigkeit der größten US-Bank um eine Stufe von AA- auf A+. Das New Yorker Geldinstitut hatte am Donnerstag eingeräumt, mit komplexen Finanzprodukten in den vergangenen sechs Wochen zwei Milliarden Dollar (etwa 1,54 Milliarden Euro) verloren zu haben.

    Fitch begründete die Herabstufung, der Verlust sei zwar handhabbar, jedoch nicht die damit verbundenen Risiken, etwa für den Ruf und die Führung der Bank. Überdies senkte die Ratingagentur das langfristige Emittenten-Rating.

    Auch Standard & Poor's reagierte und senkte den Ausblick für JPMorgan auf "negativ". Mit dem Schritt deutete die Ratingagentur eine mögliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Großbank an.

    Die Nachricht vom Milliardenverlust hatte für Wirbel an der New Yorker Börse gesorgt. Der Kurswert der JP-Morgan-Aktien war schlagartig um rund neun Prozent gefallen. Die Kurse der Citygroup und des Geldinstituts Goldman Sachs gaben um vier Prozent nach.

    JPMorgans Vorstandsvorsitzender, Jamie Dimon, hatte zuvor eingeräumt, das Portfolio der Bank habe sich als "risikoreicher, verletzlicher und für eine wirtschaftliche Absicherung weniger effektiv" erwiesen als zuvor angenommen. "Es gab viele Fehler, Schlampereien und schlechtes Urteilsvermögen", sagte er. Allein im Segment Corporate und Private Equity sei mit Einbußen von 800 Millionen Dollar zu rechnen, teilte die Bank mit. In dem Geschäftsfeld hatte das Kreditinstitut ursprünglich auf einen Gewinn von 200 Millionen Dollar gehofft. Laut Dimon wird der Verlust auch Auswirkungen auf die Bilanz im zweiten Quartal haben, das am 30. Juni endet.

    Dimon konnte indes nicht sagen, ob das Finanzinstitut mit dem verlustreichen Handel gegen Gesetze verstoßen hat. Dem solle nun die Regulierungsbehörde nachgehen, sagte er in einem Interview dem US-Fernsehsender NBC. Die Vorsitzende der US-Börsenaufsicht SEC, Mary Schapiro, sagte, ihre Behörde befasse sich mit dem Milliardenverlust von JPMorgan Chase, nannte aber keine Details.

    Der ehemalige Chef-Volkswirt des Internationalen Währungsfonds, Simon Johnson, sagte, der Vorfall zeige, dass JPMorgan Risiken nicht managen könne. "Und wenn es JPMorgan nicht kann, dann kann es keiner", sagte er. Die Großbank galt lange Zeit als eine der am besten geführten Banken der USA. Die Finanzkrise im Jahr 2008 hatte das Kreditinstitut nicht zuletzt deswegen besser weggesteckt als die Konkurrenz, weil es von risikoreichen Investitionen die Finger gelassen hatte. JPMorgan gehört zu den weltweit 29 Banken, die vom internationalen Finanzstabilitätsrat (FSB) als "systemisch bedeutende Finanzinstitute" eingestuft werden.

    (Daniel Wagner ist Korrespondent der Nachrichtenagentur AP.)

    © 2012 AP. All rights reserved

    Quizaction