Gut drei Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA nimmt der Arbeitsmarkt langsam wieder Fahrt auf. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Juli um 163.000 und damit so stark wie seit Februar nicht mehr, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Grund zum Feiern gibt es für Präsident Barack Obama aber nicht, denn die Arbeitslosenquote erhöhte sich im vergangenen Monat leicht auf 8,3 Prozent.
Jobmotoren waren den Angaben zufolge das Dienstleistungsgewerbe und die verarbeitende Industrie, während der öffentliche Sektor weiter Arbeitsplätze strich. Das Stellenplus im Juli lag über den 100.000 neuen Jobs, mit denen Experten für den vergangenen Monat gerechnet hatten. Weil gleichzeitig aber auch mehr Menschen eine Arbeit suchten, stieg die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte an. Insgesamt sind in den USA 12,8 Millionen Menschen ohne Job.
"Wir haben nun 42 Monate am Stück eine Arbeitslosenquote von über acht Prozent", kritisierte der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Der jüngste Anstieg sei ein weiterer "Hammerschlag" für die Mittelschicht. "Die amerikanische Mittelschicht verdient Besseres, und ich glaube, dass Amerika es besser machen kann", sagte Romney, der Obama für die schleppende Erholung am Arbeitsmarkt verantwortlich macht.
Der Präsident verwies darauf, dass die US-Wirtschaft in den vergangenen zweieinhalb Jahren 4,5 Millionen Stellen geschaffen habe. Jedoch räumte er ein, dass das Land noch immer unter den Folgen der schwersten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren leide. "Wir haben noch immer zu viele Menschen da draußen, die eine Arbeit suchen", sagte Obama. "Wir müssen für sie noch mehr tun."
Wirtschaftspolitische Themen stehen im Mittelpunkt des US-Wahlkampfes. Trotz der mäßigen Wirtschaftslage konnte Obama in Umfragen zuletzt leicht dazugewinnen und hat landesweit einen Vorsprung von zwei Prozentpunkten auf Romney. Der Präsident liegt dabei in möglicherweise wahlentscheidenden Bundesstaaten wie Florida, Ohio und Pennsylvania vor seinem Herausforderer.
Romney war in den vergangenen Wochen erneut wegen seiner Vergangenheit bei der Investmentfirma Bain Capital und zurückgehaltenen Steuerunterlagen in die Defensive geraten. Außerdem trat er bei einer Auslandsreise nach Großbritannien, Israel und Polen in diplomatische Fettnäpfchen. Romney soll Ende August auf dem Parteitag der Republikaner offiziell zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am 6. November gekürt werden.


