Die Zahl der Toten bei Protesten in pakistanischen Großstädten gegen den antiislamischen Film aus den USA hat sich auf mindestens 14 erhöht. Nach Angaben aus Krankenhäusern wurden außerdem mindestens 200 weitere Menschen verletzt. Im nordwestpakistanischen Peshawar wurden demnach vier Menschen getötet - drei Demonstranten und der Fahrer eines Privatfernsehsenders. In der südlichen Metropole Karachi gab es neun Tote, darunter einen Polizisten. Auch in anderen muslimischen Ländern gab es nach den Freitagsgebeten Proteste.
In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar zündete eine aufgebrachte Menge bei Protesten gegen den Film "Unschuld der Muslime" zwei Kinos an. Bei den Unruhen wurden nach Krankenhaus-Angaben vier Menschen getötet, darunter der Fahrer eines Fernsehteams. Die Zufahrtstraßen zum US-Konsulat in Peshawar sowie zu den Büros westlicher Hilfsorganisationen und anderen potenziell gefährdeten Gebäuden blockierten die Behörden mit Schiffscontainern.
In Karachi wurde nach Polizeiangaben ein Polizist erschossen, zudem wurden nach Angaben von Krankenhäusern neun Zivilisten getötet. Demonstranten versuchten dort demnach, zum US-Konsulat zu gelangen. Die Polizei ging gegen sie mit Schüssen und Tränengas vor. Nach Polizeiangaben wurden in Karachi zudem drei Kinos angezündet. In der Hauptstadt Islamabad gingen rund 20.000 Menschen auf die Straße. Die pakistanische Regierung hatte den Freitag zum Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt und zu friedlichen Protesten aufgerufen.
Weitere Proteste gegen eine Verunglimpfung Mohammeds gab es am Freitag im Irak, in Afghanistan, auf den Komoren, in Marokko, im Jemen, in Bangladesch, in Indonesien und im Libanon. In Kairo und London versammelten sich Demonstranten vor den französischen Botschaften, um gegen die Karikaturen in "Charlie Hebdo" zu protestieren.
Die pakistanische Regierung bestellte US-Vertreter Richard Hoagland ein, um von der US-Regierung die "unverzügliche" Entfernung des Mohammed-Videos von der Internetseite YouTube zu fordern. Die USA kauften für 70.000 Dollar (54.000 Euro) Werbeplätze in sieben pakistanischen TV-Sendern, um sich von dem Film zu distanzieren. Seitdem der Film im September bekannt wurde, wurden bei Protesten und Angriffen in islamischen Ländern bislang mehr als 30 Menschen getötet.
In Bangladeschs Hauptstadt Dhaka gingen rund 10.000 Demonstranten auf die Straße. Eine Menschenmenge verbrannte ein Bild von US-Präsident Barack Obama. Kleinere Demonstrationen gegen die USA und Frankreich gab es in Kabul. In Tunis sollte ein Großaufgebot der Polizei Demonstrationen verhindern. Im ostlibyschen Bengasi gab es zwei Protestzüge: fundamentalistische Salafisten protestierten gegen das Video und die Karikaturen, Demonstranten eines zweiten Marschs gingen gegen Gewalt und für mehr Sicherheit auf die Straßen. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa protestierten Hunderte gegen die USA und Israel.
UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay kritisierte die französischen Mohammed-Karikaturen scharf. Der US-Film und die Karikaturen seien "boshaft" und "mit Vorsatz" lanciert, sagte Pillays Sprecher Rupert Colville in Genf. Die Veröffentlichung der Karikaturen, als die Wut in den muslimischen Ländern bereits hochgekocht sei, sei "doppelt verantwortungslos".


