Bei den Kämpfen um die Millionenstadt Aleppo haben die syrischen Aufständischen wichtige Stellungen der Regierung angegriffen und teils erobert. Nach Angaben oppositioneller Aktivisten attackierten die Rebellen unter anderem das Militärgericht sowie ein Büro der Baath-Partei. Vor den Kämpfen in Syrien flohen laut UNHCR seit Beginn des Aufstands im März 2011 mehr als 276.000 Menschen ins Ausland.
Hunderte Rebellen griffen Polizeiwachen in den südlichen Bezirken Salhin und Bab al-Nairab an, wie der Leiter der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, sagte. Bei der Erstürmung der beiden Polizeiwachen seien mindestens 40 Beamte getötet worden.
Nach Angaben Abdel Rahmans attackierten die Aufständischen am Morgen auch den Sitz des Luftwaffengeheimdienstes in Aleppo, das Militärgericht sowie ein Büro der regierenden Baath-Partei von Staatschef Baschar al-Assad. Der Beobachtungsstelle zufolge nahmen die Regierungstruppen ihrerseits am Morgen mindestens drei Stadtviertel unter Beschuss.
Das Staatsfernsehen berichtete, die Armee gehe gegen "Terroristen" in der Stadt vor. Die aufständische Seite habe "enorme Verluste" hinnehmen müssen. Derweil verstärkten beide Seiten nach Angaben von Sicherheitskreisen in Damaskus ihre Kämpfer in Aleppo; die "entscheidende Schlacht" werde noch "mehrere Wochen" dauern.
Die zweitgrößte Stadt Syriens ist von strategischer Bedeutung: Sollten die Rebellen Aleppo komplett unter ihre Kontrolle bringen, hätten sie im Nordwesten des Landes eine sichere Basis mit Verbindung zur Türkei. Auch in der Hauptstadt Damaskus und in Deir Essor flammten die Kämpfe am Dienstag wieder auf.
Mehr als 140.000 der mehr als 276.000 Flüchtlinge hätten im benachbarten Jordanien Zuflucht gefunden, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk. In der Türkei seien 70.000 Syrer angekommen, im Libanon 31.000. Auch andere Staaten der Region hätten tausende Flüchtlinge gemeldet, berichtete das UNHCR. Die Zahl steige ständig an.
Auch innerhalb Syriens sind zahllose Menschen auf der Flucht. So sollen allein in den vergangenen Tagen mehr als 200.000 Menschen aus Aleppo geflohen seien. In Aleppo selbst suchten bis zu 20.000 Menschen in Schulen und Moscheen Schutz.
Der Anwalt und Menschenrechtsaktivist Haitham al-Maleh wurde nach eigenen Angaben von einer Koalition von syrischen "Unabhängigen ohne politische Zugehörigkeit" mit der Bildung einer Exilregierung in Kairo beauftragt. Er werde nun Konsultationen mit der Opposition aufnehmen, sagte der 81-jährige konservative Muslim, der mehrere Jahre in seinem Heimatland im Gefängnis saß.




