München/Köln (dapd). Viele Familien haben Fleisch und Fisch von ihrem Speiseplan verbannt. Die vegetarische Küche bietet ihnen jede Menge Alternativen - und die schmecken nicht nur den Großen. "Mit vielen vegetarischen Rezepten kann man auch bei Kindern punkten", sagt Martina Kittler, Autorin des Kochbuches "20 Minuten sind genug - Vegetarisch". Sehr gut kämen bei den Kleinen beispielsweise selbst gemachte Veggi-Burger, eine vegetarische Linsen-Bolognese oder ein Gemüse-Risotto an.
"Grundsätzlich spricht nichts gegen eine vegetarische Ernährung von Kindern", sagt die Autorin. Auf Milch, Milchprodukte und Eier sollte man dabei allerdings nicht verzichten. Wichtig sei außerdem, dass sich die Eltern mit Lebensmitteln auskennen. Diese Ansicht teilt auch Alexa Iwan: "Kinder vegetarisch zu ernähren, das funktioniert nicht nebenbei", betont die Ernährungswissenschaftlerin aus Köln. Man müsse sich gut informieren und die Mahlzeiten der Kinder konkret planen. Zudem sollte man aufpassen, dass die Kleinen nicht zu sogenannten Pudding-Vegetariern werden, die aus Bequemlichkeit oder Ermangelung an fleischlosen Alternativen vorwiegend zu Süßem wie Pudding, Kuchen oder Keksen greifen.
Besonders wichtig für die Nährstoffversorgung bei Vegetariern ist den Expertinnen zufolge die richtige Kombination von Lebensmitteln. "Gute Zusammenstellungen sind zum Beispiel Eier und Kartoffeln, Kartoffeln und Quark, Getreide und Milch, zum Beispiel im Müsli, oder Bohnen und Mais", sagt Martina Kittler. Hier sei die biologische Wertigkeit der Proteine - also der Grad, in dem unser Organismus die Proteine der Nahrungsmittel in körpereigene Proteine umwandeln kann - besonders hoch. Daher sollten solche Kombinationen regelmäßig auf den Tellern kleiner Vegetarier landen.
Kittler empfiehlt außerdem, die fleischlose Ernährung von Kindern bunt, vielfältig und abwechslungsreich zu gestalten. "Von industriell verarbeiteten Produkten wie Saitan-Würstchen oder Soja-Gyros halte ich persönlich nicht so viel", sagt die Autorin. Solche Lebensmittel sollten laut Kittler bei der vegetarischen Ernährung von Kindern eher die Ausnahme bleiben. Es gebe genügend leckere Alternativen mit natürlich vegetarischen Zutaten. "Sehr beliebt sind bei kleinen Vegetariern beispielsweise mit Gemüse gefüllte Pfannkuchen oder Gemüse-Käse-Spätzle", sagt die Autorin. Vielen schmecke auch Kartoffelgratin mit Apfelspalten und Thymian, Minestrone mit Nudeln oder Reis, Vollkorn-Toast-Hawaii oder ein Couscous-Salat mit Linsen.
Sehr gut kämen bei Kindern auch in Teig ausgebackene Gemüse-Fritten an. Dafür könne man zum Beispiel Kohlrabi-, Pastinaken- und Zucchinisticks verwenden. Dazu passt ein Quarkdip. "Ein sommerliches Gericht ist ein bunter Salat aus roten und gelben Paprika, Karotten, Gurken und Tomaten", sagt Martina Kittler. Als leckeres Topping dient würziger Feta oder milder Ricotta sowie eine geröstete Kernemischung. "Auch eine bunte Nudelpfanne mit Zuckerschoten, Cocktailtomaten und kleinen Mozzarellakugeln motiviert kleine Genießer garantiert zum Zugreifen", sagt Kittler. Ebenso fein sei eine herzhafte Schupfnudelpfanne mit Pilzen.
Außerdem gibt es etliche vegetarische Klassiker wie Spaghetti mit Tomatensoße, die bei Kindern fast immer gut ankommen. "Dazu gehören auch eine selbst gemachte Pizza mit dem Lieblingsgemüse oder ein Burger mit Getreidebratlingen", sagt Kittler. Als Burger-Belag eignen sich wie bei der Fleisch-Version frischer Salat, Tomaten, Gurken und eine Scheibe Käse. Als Menü für große und kleine Gäste empfiehlt die Autorin ein mildes Gemüse-Curry mit Kokosmilch und Basmatireis.
Wie bei allen Kindern helfen auch bei kleinen Vegetariern ein paar Tricks, um gesunde Lebensmittel interessanter zu machen. "Bereiten Sie Pfannkuchen mit Mehl Type 1050 zu - das ist ein Kompromiss zwischen Weißmehl und Vollkornmehl", sagt die Kochbuchautorin. Den Unterschied schmecke man kaum, diese Mehltype sei aber vollwertiger. "Bei Kartoffelpuffern kann man zum Beispiel Gemüseraspel von Karotten oder Zucchini in den Teig einbauen", sagt Kittler. Außerdem könne man Gemüse leicht unter einer knusprigen Schicht aus Semmelbröseln, Käse und frischen Kräutern verstecken.
Schlechte Esser motiviert man auch, indem man sei beim Einkaufen und Kochen mitmachen lässt. "Gemüse, das man selber im Laden ausgesucht, abgewogen und später geschnippelt hat, schmeckt gleich viel besser", sagt Martina Kittler. Wichtig sei dabei, Spaß und Lust am Genuss zu vermitteln.
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